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Richtige Freude kam bei mir auf dem Maidan nicht auf.  Mich schockten die vielen Porträts von Stepan Bandera, dem Ideologen der ukrainischen Nationalisten, deren bewaffnete Einheiten sich an der Seite der deutschen Wehrmacht an der Judenvernichtung beteiligten. Die Organisation des Protest-Camps ist perfekt. Viele Freiwillige helfen. Doch nicht alle Menschen in Kiew sind für die Platz-Besetzung.    


Die dagestanische Hauptstadt Machatschkala wirkt auf den ersten Blick friedlich. Nur wer nachfragt, erfährt, dass immer noch junge Männer, die als Islamisten verdächtigt werden, von Uniformierten entführt werden. In Machatschkala gibt es zahlreiche Cafes, einen großen Markt und die bekannte Fußballmannschaft Andschi, der ich an einem Sonntag beim Spiel zusah.   


Seit Putin im Amt ist, kommen weniger Menschen zu den Demonstrationen für freie Wahlen. Doch einige Zehntausend waren es an diesem Tag im September 2012 schon. Mich überraschte die Kreativität der Demonstranten. Transparente, Plakate und kleine Installationen wurden mit viel Liebe gestaltet. Bei vielen Transparenten ging es um Pussy Riot. Aber auch Kürzungen im Bildungsbereich waren ein Thema.          


Das zwanzig Grad kalte und am Wochenende gewöhnlich etwas stillere Moskau wachte auf. Wegen der Kälte eingemummelt mit Schals und einem dicken Pullover erlebte ich nun schon das dritte Mal in den letzten zwei Monaten eine Groß-Kundgebung für "ehrliche Wahlen". Die Transparente und Figuren, welche die Demonstranten mitführten, waren wesentlich origineller als die auf der  pro-Putin-Demo am gleichen Tag.   


Trotz Temperatuen um die acht Grad minus versammelten sich am 19. Januar 2012 in Moskau 1.000 Demonstranten um den Mord an Rechtsanwalt Stanislaw Markelow und der Journalistin Anastasija Baburowa vor drei Jahren zu gedenken. Wir zogen auf einer kurzen, genehmigten Demonstration zum Neuen Puschkin-Platz. Dort sprach das erste Mal aus diesem Anlass eine Frau aus Zentralasien, die kirgisische Journalistin Aida Kosymaliewa. 


Erst nach einer halben Stunde Wartezeit gelangten wir im Dezember 2011 auf die Baustelle am Schwarzen Meer, wo die Stadien für die Olympischen Winterspiele 2014 entstehen. Um das Einschmuggeln von Sprengssätzen zu verhindern, gibt es strengste Kontrollen. Für Lastwagen werden sogar Röntgengeräte eingesetzt. Die Anwohner-Siedlung, welche ich 2008 noch besuchte, ist längt verschwunden. Die Leute wurden umgesiedelt. 


Im Januar 2008 besuchte ich Sotschi und Krasnaja Polana. Die Bauarbeiten für die olympischen Winterspiele 2014 hatten gerade begonnen. Ich traf vor allem Kritiker der Winterolympiade, Architekten, Anwohner, die von Umsiedlungen bedroht waren und einen Professor, der mir etwas über das Leben der Bären in den Bergen erzählte. Krasnaja Polana war noch ein beschaulicher Ort. An dem einzigen Lift tummelten sich russische Touristen. 


Selbst die Aktivisten der Protestbewegung gegen Wahlfälschungen waren überrascht, dass zwei Wochen nach der ersten Großdemonstration nicht weniger sondern mehr Menschen kamen. Auf dem Sacharow-Platz im Zentrum von Moskau herrschte trotz eisigem Wetters Volksfest-Stimmung. Die Demonstranten griffen in ihren Plakaten und Installationen kreativ die gängigen Klischees gegen die Protestbewegung auf. 


Das erste Mal nach vielen Jahren gingen wieder zehntausende Russen für ihre Rechte auf die Straße. Anlass waren die offensichtlichen Wahlfälschungen bei der Duma-Wahl am 4. Dezember 2011. Als Zeichen ihrer friedlichen Absichten trugen die Menschen Blumen und weiße Schleifen an den Jacken. Es wäre alles wunderschön gewesen, wären nicht auch die Rechtsradikalen mit dabei gewesen. 


Zehntausend Personen kamen zum "Russischen Marsch" im Moskauer Außenbezirk Ljublino. Die rechtsradikalen Gruppen ließen diesmal ein Meer von schwarz-gelb-weißen Zaren-Fahnen flattern und verzichteten auf hakenkreuzähnliche Symbolik. In den Gesichtern der Passanten sah ich Angst vor Eskalation und Blut. Einige meinten aber, die Forderung der Demonstranten sei richtig. Die Kaukasier müssten Moskau verlassen. 


Es war meine erste Reise nach Kasachstan. Anfang Juli 2011 wurde ich nach Astana eingeladen. Dort feierte man den Geburtstag der neuen Hauptstadt. Die Stadt ist ein Paradies für Fotografen, denn in der neuen Capitale haben sich Architekten aus aller Welt verewigt. Trotz aller Modernität: Reklame gibt es in Astana nicht. Stattdessen viele Aufrufe für Völkerfreundschaft und Frieden. 


Ja, es gibt in Russland Überraschungen, die einen noch monatelang danach fesseln. So ging es mir mit dem größten russischen Freiluft-Festival für moderne Kunst- und Architektur, Archstoyanie. Ich war das erste Mal im Juli 2011 dort. Und mir war gleich klar, dass ich in den Vorjahren etwas verpasst hatte, denn auf diesem Natur-Kultur-Event werden Installationen gezeigt, die man in Moskau unter freiem Himmel niemals sehen würde.  


Nach sechs Jahren Renovierung soll im Oktober 2011 das Moskauer Bolschoi-Theater wieder eröffnet. werden. Um diesen Termin einzuhalten, sind Maler, Tischler und Vergolder auf der Baustelle rund um die Uhr im Einsatz. Gebaut wird nicht nur überirdisch. Ein völlig neuer Saal, für den es kein historisches Vorbild gibt, entstand unter dem Theater-Vorplatz. Ein Augenschein auf der Baustelle im April 2011. 


Die Russen feiern den Sieg über Hitler-Deutschland am 9. Mai nicht nur mit Militärparaden auf dem Roten Platz. Auch auf Straßen und in Parks wird gefeiert. Auf dem Moskauer Weltkriegs-Gedenk-Komplex "Verneigungshügel", wo ich am 9. Mai 2011 war,  riefen junge Leute übermütig, "Spasibo dedu sa pobedu!", "Danke Opa für den Sieg!" Auch viele Kaukasier und Asiaten waren gekommen. Zu Zwischenfällen kam es an diesem Tag nicht.  


Waldbrände 2010 (14 Bilder)
Noch bis zum Winter werden die unterirdischen Torfbrände in Russland weiter schwelen, wie jedes Jahr, so meinen Experten. Mitte August zeigte uns der Einsatzleiter des Katastrophen-Ministeriums stolz einen neuen Kanal mit dem die Torfbrüche östlich von Moskau geflutet werden sollen. Ein paar Kilometer weiter stand jedoch noch dichter Rauch. Hier kämpften Schenja, Viktor und andere Feuerwehrleute mit dem unterirdischen Feuer.  


Es regnete in Strömen, die Stimmung war gedrückt. Im Oktober 2007, ein Jahr nach dem Tod von Anna Politkowskaja kamen 1.000 Menschen ins Zentrum von Moskau. Zum Gedenken an "Anja" - wie ihre Anhänger die Journalistin zärtlich nennen - trugen die Trauernden rote Nelken. Zu den Versammelten sprach ex-Ministerpräsident Michail Kasjanow. Zur gleichen Zeit feierten direkt vor dem Kreml 10.000 Jugendliche der Organisation "Naschi" Putins Geburtstag.


Nur etwa 100 Schwule und Lesben wagten sich auf die vom Moskauer Bürgermeister nicht genehmigte Kundgebung vor dem Rathaus. Dort wurden sie von rechten Schlägern angefallen. Die Polizei sah zu. Sie verhaftete führende Aktivisten wie Volker Beck, zu "ihrem Schutz", wie es hieß. Hysterische Fundamentalisten schrieen, „verjagt die Missgeburten“. Ich war gerührt, als ich die t.A.T.u-Girls in der Menge sah. Vielleicht küssen sie sich nicht nur zum Schein?


Als der "bronzene Soldat" - im April 2007 aus dem Stadtzentrum Tallinns auf einen Militärfriedhof verlegt wurde, kochten die Emotionen hoch. Für die Russen in Estland ist das Weltkriegsdenkmal eine Erinnerung an ihre gefallenen Väter und Großväter. Der Ministerpräsident Estlands legte am 8. Mai 2007 mehrere Kränze nieder, beim "bronzenen Soldaten", vor einem Denkmal für das KZ Klooga und auf einem Gedenkplatz für Esten, die an der Seite der Wehrmacht kämpften.


Am 1. Mai 2007 besuchte ich die Demonstrationen der Gewerkschaften und der KP. Bei den Kommunisten demonstrierten dieses Jahr auch Anhänger der von ex-Schachweltmeister Garri Kasparow gegründenten "Vereinigten Bürgerfront". Trotz harter Parolen - "Nieder mit der Macht der Tschekisten" und "Putin - zu Jelzin" - schritt die Polizei diesmal nicht ein. Auf der Gewerkschafts-Demo war Karneval angesagt. Bürgermeister Luschkow forderte, angesichts familienfreundlicher Wohnungskredite, endlich mehr "Kinder zu machen".


Das Oppositionsbündnis "Das andere Russland" hatte Mitte April 2007 in Moskau und St. Petersburg zu einem "Marsch der Nicht-Einverstandenen" aufgerufen. Obwohl sich in beiden Städten jeweils nur einige Tausend Menschen versammelten, ging die Polizei-Sondereinheit OMON mit großer Härte gegen die Demonstranten vor. Ich stand zusammen mit ratlosen und wütenden Menschen am Moskauer Puschkin-Platz vor einer Polizeikette und fragte mich, ob noch Steigerungen möglich sind.


Stadtansichten (24 Bilder)
Russland befindet sich in einem atemberaubenden Wandel. Dies erlebt man nirgendwo deutlicher als auf den Straßen der russischen Großstädte. Man sieht 19jährige Soldaten in uralt-Armeemänteln und junge Damen im grellen Chic, bettelnde Kriegsinvaliden und riesige Reklameflächen für Handys und teure Autos. Die Photos entstanden bei meinen Streifzügen durch Moskau und St. Petersburg in den Jahren 2005 bis 2013.


Auf Ölfeldern (20 Bilder)
Im Oktober 2003 besuchte ich Baku und flog für eine Reportage mit Ölarbeitern auf eine Bohrplattform im Kaspischen Meer. Nach einer Stunde landete unser Hubschrauber auf dem vibrierenden Monstrum. Baku ist eine reiche Stadt, doch die Ölarbeiter bringen im Monat nur 300 Dollar nach Hause. Als ich in die Öl-Metropole zurückkam, demonstrierte die Opposition gegen Wahlfälschungen bei der Präsidentschaftswahl.


Bei den Ewenken (10 Bilder)
Die Ewenken gehören zu den sibirischen Völkern. Im Rahmen einer Reportage-Reise besuchte ich im Sommer 2002 ein Sommer-Lager von ewenkischen Kindern nahe der ostsibirischen Stadt Bajkit. Dort lernten Kinder die Kultur ihres Volkes, die in der Sowjetzeit in Vergessenheit geriet. Sie bauten Zelte, sangen ewenkische Lieder und erkundeten die Natur.


Offiziell gibt es 150.000 Straßenkinder in Russland. Experten meinen, in Wirklichkeit liege die Zahl bei einer Million. Im Herbst 2000 besuchte ich Moskauer Straßenkinder, die im Kursker Bahnhof lebten. Die Bahnhofspolizei versuchte die Kinder zu vertreiben, klaute ihnen die Schuhbänder und markierte ihre Wunden mit grünem Desinfektionsmittel. Jetzt haben sich die Straßenkinder in Keller und Dachböden verdrückt.