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Neue Route für Putins Öl Drucken
von Ulrich Heyden   
Freitag, 16. März 2007

Athen - Abkommen über «Balkan-Pipeline» unterzeichnet. Russland will sein Monopol bei den Transportrouten für Öl und Gas nicht aufgeben.

In Athen wurde gestern im Beisein von Präsident Putin ein Vertrag über die neue «Balkan-Ölpipeline» via Bulgarien und Griechenland unterzeichnet. Es gibt wohl nur wenige Metiers, in denen sich der Kreml-Chef so gut auskennt wie mit Energiepolitik und Pipelines: Zuerst dreht Russland der Ukraine und Weissrussland den Gashahn ab. Nun müht sich der Kreml um das Image des zuverlässigen Energielieferanten und besorgten Umweltschützers.

Gestern wurde im Präsidentenpalast von Athen der Vertrag über die so genannte «Bakan-Pipeline» unterzeichnet, die das Schwarze Meer mit der Ägäis verbinden soll. Die Pipeline soll eine Länge von 285 Kilometern haben und 900 Millionen Euro kosten.


Entlastung für Bosporus-Route


Unterzeichnet wurde der Vertrag von den Ministerpräsidenten Bulgariens und Griechenlands, Sergei Stanischew und Konstantinos Karamanlis, sowie dem russischen Energieminister Wiktor Christenko. Putin und sein griechischer Amtskollege Karolos Papoulias wohnten der feierlichen Zeremonie bei. Über die Pipeline wurde seit 1994 verhandelt. Die «Balkan-Pipeline» vom bulgarischen Schwarzmeer-Hafen Burgas zum griechischen Mittelmeeerhafen Alexandroupolis soll die überlasteten türkischen Schwarzmeer-Engen Bosporus und Dardanellen entlasten. Jährlich sollen bis zu 35 Millionen Tonnen Erdöl durch die neue Energie-Ader fliessen. Mit dem Bau soll Ende dieses Jahres begonnnen werden. 2011 soll die Pipeline ihren Betrieb aufnehmen.

Nicht nur für russisches Öl


Der Kreml-Chef erklärte, bei dem Projekt gehe es nicht darum, Öl aus anderen Pipeline-Systemen umzuleiten, sondern darum, neue Transportkapazitäten zu schaffen. Mit dieser Bemerkung spielte Putin auf die von den USA politisch geförderte Baku-Ceyhan-Pipeline an, die Öl aus dem Kaspischen Raum unter Umgehung des russischen Pipeline-Sys- tems zum türkischen Mittelmeer- hafen Ceyhan transportiert.

Putin erklärte, die «Balkan-Pipeline», an der Russland mit 51 Prozent beteiligt ist, biete nicht nur russischen Exporteuren neue Möglichkeiten, sondern auch «amerikanischen, kasachischen und aserbai- dschanischen Gesellschaften», die Öl in der Kaspischen Region fördern. «Die Realisierung dieses Projekts erhöht nicht nur die Stabilität auf dem Balkan, sondern auf dem weltweiten Energiemarkt», erklärte der Kreml-Chef. Putin versprach, man werde beim Bau der neuen Pipeline «alles Nötige» zur Lösung der ökologischen Probleme tun und sich «im höchsten Mass verantwortungsvoll verhalten».

Bulgarien und Griechenland sind mit 49 Prozent an dem Projekt beteiligt. Mehrere Ölgesellschaften, die in der Region des Kaspischen Meeres Öl fördern, haben jedoch bereits Interesse bekundet, Griechenland und Bulgarien Anteile abzukaufen. Ihr Interesse an dem neuen Pipeline-Projekt bekundeten die amerikanische Chevron, die kasachische KasMunaiGas und die russische TNK-BP.

Ungarn liebäugelt mit Gas-Pipeline

Im Kreml herrscht Hochstimmung, denn für Russland stehen die Sterne in diesen Tagen gut. Der ungarische Premier Ferenc Gyurcsany liebäugelt mit einem neuen Pipe- line-Projekt von Gasprom. In einem Zeitungsinterview erklärte er, die europäische Gas-Pipeline «Nabucco» mit der unter Umgehung Russlands Gas aus Zentralasien nach Europa transportiert werden soll, sei ein «lang gehegter Traum». «Aber wir brauchen keine Träume, sondern Projekte.» Ungarns Regierungschef ist deshalb für eine Verlängerung der Gasprom-Pipeline «BlueStream» von der Türkei bis nach Ungarn. Für EU-Energiekommissar Andris Piebalgs ist das keine gute Nachricht, wollte sich die EU mit ihrem Projekt der Nabucco-Gas-Pipeline doch aus russischer Abhängigkeit befreien. Doch die Absprachen unter den fünf beteiligten Ländern gestalten sich äusserst schwierig.

Aargauer Zeitung