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Bei Kiewer Scharfschützen ist die ARD blind Drucken
von Ulrich Heyden   
Samstag, 2. Dezember 2017
Maidan-Massaker / Knapp vier Jahre nach dem bisher nicht aufgeklärten Tod von 100 Menschen auf dem Maidan werden Ermittlungsversuche italienischer Journalisten von der ARD diffamiert

Am 15. November sendete der italienische Fernsehsender Canale 5 einen sensationellen Film (hier eine Fassung mit englischen Untertiteln http://www.video.mediaset.it/video/matrix/servizi/esclusivo-guerra-in-ucraina-le-verita-nascoste_776854.html) mit Interviews von angeblichen Scharfschützen, die beteiligt waren, als Ende Februar 2014 100 Demonstranten und Polizisten auf dem Maidan in Kiew erschossen wurden. Jetzt gibt es ein weiteres sehr interessantes Interview (in russischer Sprache https://www.youtube.com/watch?v=_hFn3cB9eaE) von Milenko Nedelkovski - einem Journalisten aus Mazedonien - mit Aleksandr Revazishvili, einem der drei Georgier, die angeblich zu den Scharfschützen gehörten.

Der wegen seiner umfrangreichen Untersuchunungen zum Maidan-Massaker bekannte kanadische Wissenschaftler Ivan Katchanovski​, stellte in seinem Facebook-Post (https://www.facebook.com/ivan.katchanovski) vom 28. November fest, dass das neue Interview des Journalisten aus Mazedonien seine eigenen Untersuchungen bestätigt, nach denen der Rechte Sektor und mit ihm verbundene Gruppen sowie Personen der Vaterlandspartei von Julia Timoschenko von Gebäuden rund um den Maidan - insbesondere vom Hotel Ukraina und vom Konservatorium - auf Demonstranten und Polizisten schossen, um die politische Situation in der Ukraine in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Einiges bleibt jedoch auch nach der neuen Veröffentlichung unklar. Für mich wäre interessant zu erfahren, warum die drei Männer aus Georgien gerade jetzt auspacken. Der Scharfschütze Aleksandr erklärt, er packe jetzt aus, um sein Leben zu retten. War denn sein Leben vorher nicht in Gefahr? Und warum nicht?

In westlichen Medien fanden die sensationellen Enthüllungen kein Echo. Doch ZWEI WOCHEN nachdem der Film von "Canale 5" gesendet wurde entschied man sich in der ARD nun doch noch Stellung zu nehmen. Puh! Welche Debatten es da wohl in der Chefredaktion gegeben hat. Nicht auszudenken!

Die ARD-Journalistin und Georgien-Expertin Silvia Stöber mäkelte (http://faktenfinder.tagesschau.de/ausland/proteste-maidan-101.html) gestern an Einzelheiten der Enthüllung des italienischen Kanals herum, ließ aber merkwürdigerweise die Regierung in Kiew völlig ungeschoren. Stört denn Frau Stöber garnicht, dass der Mord an 100 Menschen auf dem Maidan bis heute nicht aufgeklärt und KEINER der Täter hinter Gitter ist? Für eine Journalistin die wirklich unabhängig ist, wäre es doch normal gewesen, dies EBENFALLS kritisch zu vermerken. Außerdem fragt sich der interessierte Leser, warum die ARD, nach einem kritischen Monitor-Bericht am 10. April 2014 , ihre eigenen Ermittlungen zu den Scharfschützen-Morden komplett einstellte, zumindest zu eigenen Ermittlungen nichts veröffentlichte.

So bleibt der Eindruck, die ARD-Journalistin will die Regierung in Kiew und die ukrainischen Justizorgane - trotz deren Untätigkeit - gegen "böswillige Störer" in Schutz nehmen. Das ist schon merkwürdig, hat doch die ukrainische Regierung in der Bevölkerung komplett abgewirtschaftet und ist wegen Korruption verschrieen. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man sagt, dass die Regierung Poroschenko nur noch an der Macht ist, weil sie immer noch Geld aus dem Westen bekommt und die Bevölkerung müde und enttäuscht von Protesten ist. Bei soviel Geleitschutz für die Poroschenko-Regierung durch die ARD frage ich mich: Wieviel ist der ARD die Demokratie in der Ukraine eigentlich wert?

veröffentlicht in meinem Blog in der Freitag Community

 
 
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