Russischer Ex-Agent schiesst zurück
von Ulrich Heyden   
Freitag, 1. Juni 2007
Mordfall Litwinenko Andrei Lugowoi, der Hauptverdächtige, beschuldigt jetzt den britischen Geheimdienst

Andrei Lugowoi, der im Mordfall Litwinenko von Grossbritannien als Täter verdächtigt wird, holt zum Gegenschlag aus. Wahrscheinlicher sei, dass der britische Geheimdienst hinter dem Mord stecke, sagte er.

Andrei Lugowoi wirkt wie ein Gejagter. Im Schnelltempo las der russische Ex-Spion, der nach Meinung der britischen Staatsanwaltschaft einer der Hauptverdächtigen im Mordfall Litwinenko ist, eine Erklärung vor. Demzufolge steckten der nach London geflüchtete Oligarch Boris Beresowski möglicherweise aber auch der britische Geheimdienst MI-6 oder die russische Mafia in Spanien hinter der Polonium-Vergiftung des ehemaligen KGB-Offiziers Alexander Litwinenko. Der Kreml-Kritiker war im November 2006 in einem Londoner Spital gestorben.

«Souvenirs» mit Polonium

Es war gestern das erste Mal seit dem Mord an Litwinenko, dass Lugowoi vor die Presse trat. Neben ihm sass Dmitri Kowtun, nach Meinung der britischen Behörden auch ein Tatverdächtiger. Am 22. Mai hatte die britische Staatsanwaltschaft von Moskau die Auslieferung Lugowois gefordert. Lugowoi behauptet nun, er sei selbst mit Polonium «markiert» worden, um den Verdacht am Litwinenko-Mord auf ihn zu lenken. Verschiedene «Souvenirs», die Litwinenko ihm geschenkt habe, seien mit Polonium verseucht gewesen. Lugowoi behauptet weiter, Litwinenko sei vom britischen Geheimdienst angeworben worden, habe sich dann aber der Kontrolle durch den Geheimdienst entzogen und sollte deshalb umgebracht werden.

Stichhaltige Beweise für seine Mord-Versionen legte Lugowoi nicht vor. Der britische Geheimdienst habe auch versucht ihn, Lugowoi, anzuwerben. Man habe gehofft, von ihm kompromittierendes Material über den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu bekommen.

Das Ganze wirkt wie eine abenteuerliche Rundumverteidigung. Lugowoi, der selbst lange Jahre für den russischen Geheimdienst arbeitete und jetzt ein privates Sicherheitsunternehmen führt, verdächtigte praktisch alle, nur nicht Putin. Ein «feuriger Anhänger» des Kreml-Chefs sei er nicht, dafür habe er «seine persönlichen Gründe», erklärt Lugowoi › und versucht damit Verdächtigungen zu zerstreuen, er werde vom Kreml gestützt oder handle sogar in dessen Auftrag.

Aargauer Zeitung