12. June 2026

Darf ein deutscher Journalist so reden, wie ein Russe? (Kommentar)

Zwischen zwei linken Journalisten, dem Redakteur des Overton-Magazins, Roberto De Lapuente, und dem Journalisten Gert Ewen Ungar – er arbeitet bei RT DE – gibt es einen heftigen Streit. Dieser Streit ist symptomatisch für das Meinungsklima in Deutschland. Mit immer neuen Kampagnen werden Journalisten und Andersdenkende von links bis rechts, die Russland-nahe Positionen vertreten, öffentlich an den Pranger gestellt. Schon seit 2014. Systematisch. Wer steckt dahinter? Das Overton-Magazin hat sich seit seinem Bestehen von solchen Praktiken ferngehalten. Doch nun scheint ein Damm gebrochen. 
Overton-Redakteur De Lapuente hatte Ungar als „Provokationsagenten“ bezeichnet, weil Ungar via X „Raketen auf Deutschland“ forderte, denn „nur Angst“ könne die Deutschen auf ihrem Kriegskurs gegen Russland noch zur Besinnung bringen. 
Solche Worte sind natürlich ein starkes Stück. Das ist nicht meine Sprache und mein Denken. Aber ist es so ungewöhnlich, dass ein Deutscher in Russland ähnlich denkt, wie sehr viele Russen? Warum diese plötzliche Aufregung? Möchte man die russische Realität möglichst weit von sich fernhalten? 
De Lapuente lebt friedlich und unbehelligt von Drohnen unter dem Schutz des US-Atomschirms. Er setzt sich in Szene als Kämpfer gegen Ungar, der in Russland zum russischen „Falken“ mutiert sei. In einem Brief an Ungar fragt Lapuente, ob Ungar nicht „Landesverrat“ betreibe und damit reif für EU-Sanktionen sei? 
Mit solchen Parolen hantieren normalerweise die Mainstream-Medien, wenn es um Kritiker des deutschen Kriegskurses geht. Wozu werden diese Parolen nun im linken Overton-Magazin aufgewärmt? Möchte man als linkes Medium seine Überparteilichkeit herausstreichen, um mehr Leser zu erreichen? 
Ich billige Ungar zu, dass er seine Gefühle und Einschätzungen aufschreibt und eben das zum Thema macht, was viele Russen heute denken. Viele Deutsche wissen es nicht: Fast täglich sterben in Russland Zivilisten durch ukrainische Drohnen. In diesen Tagen bombardierten ukrainische Drohnen einen russischen Bus und einen Zug mit Touristen auf dem Weg zur Krim. Es gab Verletzte und Tote. 
Anstatt die Keule gegen Unger zu schwingen, sollte man anerkennen, dass er seine Meinung, die ihm viel Ablehnung und Empörung einbringen wird, öffentlich gemacht hat. Selbst wenn sie uns nicht gefällt, sie gehört zum Gesamtbild. 
Der Krieg zwischen Russland und Europa „wird kommen“, ist sich Lapuente in den Schlusssätzen seiner Anklage gegen Ungar sicher. Das ist für den politischen Beobachter ein bisschen dürr. Warum analysiert  Lapuente nicht die Gesamtsituation? Warum schreibt der Redakteur vom Overton-Magazin nichts über Alternativen. Welche Wege wären zur Erreichung von Frieden besser und erfolgreicher als „Raketen auf Deutschland“? Welche Möglichkeiten gibt es heute in Deutschland, einen drohenden Krieg in Europa durch Diplomatie zu beenden? Welche Bündnisse wären nötig? Welche bekannten Personen müssten gemeinsam für dieses Ziel agieren? Warum kam ein großes Bündnis der Kriegsgegner bisher nicht zustande? Wäre es nicht sinnvoll, wenn zumindest BSW und AfD gemeinsame öffentliche Auftritte organisieren, um das Gefühl der Lähmung der Friedenskräfte in Deutschland zu durchbrechen?

Zum Weiterlesen die Texte von Ungar und De Lapuente:

https://overton-magazin.de/kommentar/politik-kommentar/deutscher-rt-journalist-fordert-bombardierung-deutschlands/?

https://logon-echon.com/2026/05/25/antwort-an-roberto-de-lapuente-warum-wir-angst-haben-sollten/?

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