9. Mai 2008

Die First Lady im Kreml

Die neue First Lady kennt ihren Gatten seit Schulzeiten. Sie arbeitete stets an seiner Karriere mit. „Der Mann ist der Kopf, die Frau der Hals“, heißt es in Russland.

Moskau (SN, n-ost). Als der neue russische Präsident Dmitrij Medwedew im Kreml den Eid auf die Verfassung ablegte, stand seine Frau Swetlana Medwedewa in der ersten Reihe der Gäste. Für die 43-Jährige ging wohl ein Traum in Erfüllung: Ihren sechs Monate jüngeren Ehemann kennt sie seit der ersten Schulklasse in St. Petersburg. An seiner Karriere hat sie konzentriert mitgebaut. Sie liebt Sushi, öffentliche Empfänge und Partys. Wie ihr Mann ist sie stets chic gekleidet.

Swetlana Medwedjewa, geborene Linnik, war immer lebenslustig. In ihrer Petersburger Schule spielte sie im Schulkabarett, während ihr künftiger Mann Gewichte stemmte oder allein im Kajak unterwegs war. 1989 heirateten Swetlana und Dmitrij. Ihr Mann, der mit Nachnamen „Bär“ (Medwed) heißt, wurde zwar an der Rechtsfakultät gut ausgebildet, doch es war Swetlana, die bei einer Bank als Buchhalterin arbeitete, die ihm die wichtigen Kontakte schuf.
Swetlana, die in einer Familie von Militärangehörigen aufwuchs, werde sich auch in Zukunft mit Vorschlägen an ihren Mann nicht zurückhalten, meint der Moskauer Politologe Stanislaw Belkowski. Sie sei eine typische „Ehefrau-Mutter“. Dass Ehefrauen für den Mann auch die Mutter-Rolle spielen, ist in Russland weit verbreitet. „Der Mann ist der Kopf, die Frau der Hals“, lautet ein russisches Sprichwort. Die kommunikative Swetlana scheint die ideale Ergänzung für den noch etwas steifen Präsidenten mit dem Bubengesicht zu sein. Russische Medien sehen in der neuen First Lady bereits eine neue Raissa Gorbatschowa. Die Frau des letzten sowjetischen Generalsekretärs Michail Gorbatschow war selbst auf der internationalen Bühne sehr aktiv .
Die neue Rolle als Präsidenten-Gattin trifft Swetlana Medwedewa nicht unvorbereitet. In St. Petersburg organisierte sie Modeschauen und Wohltätigkeitsveranstaltungen. Die First Lady spricht Englisch und lernt Italienisch. Sie organisierte die offiziellen Freundschaftsprogramme zwischen St. Petersburg und den Partnerstädten Venedig und Mailand. Die Einrichtung einer Fluglinie St. Petersburg-Venedig soll auf ihre Initiative zurückgehen. In Italien hat sie viele Bekannte unter Diplomaten und Unternehmern. Man sah sie auf Partys der Schlagersängerin Alla Pugatschowa und des Moskauer Modeschöpfers Walentin Judaschkin, der auch ihre Kleider entwirft.
Vor einem Jahr, als Dmitrij Medwedew in den Kreis der Präsidentschafts-Kandidaten aufstieg, übernahm Swetlana dann eine Aufgabe, die ihrem künftigen Status angemessen war. Sie leitet das Programms zur „geistig-moralischen Kultur der heranwachsenden Generation“, das in Zusammenarbeit mit der russisch-orthodoxen Kirche durchgeführt wird. Es handle sich um ein „rein vaterländisches und tief patriotisches“ Programm schreibt die Illustrierte „Sobesednik“ mit einem Augenzwinkern. Auch für Wohltätigkeits-Initiativen ist Swetlana noch aktiv. Die Mutter des 12-jährigen Sohnes Ilja organisiert Spenden für das „Internat Nr. 1“ in St. Petersburg. In dem Heim wohnen 316 geistig behinderte Kinder.
Um die Bekanntschaft zwischen Dmitrij und Swetlana ranken sich zahlreiche Gerüchte. Die hübsche Swetlana mit ihren blonden Haaren und schönen Augen wurde von vielen Burschen umworben, so erinnert sich eine Lehrerin. Swetlana habe die Nase hoch getragen, erzählen andere. Man sah Dmitrij und Swetlana oft zusammen, ohne dass sie ein Paar waren. Allerdings schenkte ihr Dmitrij auf dem Abschiedsball angeblich einen großen Blumenstrauß. Ein Märchen begann, das bis in den Kreml geführt hat.

"Salzburger Nachrichten"

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