17. September 2007

Ein Schlosser im Dienst des Kremls

Der neue Premier Viktor Subkow ist farblos und Präsident Putin treu ergeben.

So viel Lob für einen potenziellen Putin-Nachfolger gab es noch nie, vermerkte der Korrespondent des „Kommersant“. Präsident Putin hält viel von Viktor Subkow. „Dieser Mensch hat große Lebens- und Berufserfahrung. Man kann sagen, er ist wirklich professionell, ein ausgezeichneter Verwalter.“ Der neue Premier selbst erklärte, er könne sich vorstellen, für das Präsidentenamt zu kandidieren, wenn er als Ministerpräsident „etwas erreicht“ habe.

Nach Jelzins Abgang Ende 1999 freuten sich die Russen über einen sportlich-muskulösen Präsidenten. Subkow hat auf diesem Sektor nichts zu bieten. Der neue Premier ist unter den Mitgliedern der russischen Regierung der Älteste.

Wie zu Zeiten Breschnjews

Putin ist Staatsmann, hat aber doch immer etwas Jugendlich-draufgängerisches. Subkow strahlt dagegen bleierne Ruhe aus, wie man sie aus der Breschnjew-Zeit kannte. Die Art wie er vor der Duma sein Regierungsprogramm vorstellte, erinnerte an jene Tage. Der neue Premier las mit ruhiger, fast träger Stimme vom Blatt.
Subkow hat den Kampf gegen die Korruption zum Schwerpunkt seiner Arbeit erklärt. „Unprofessionalität und Korruption richten Russland zugrunde.“ Subkow will die Wirtschaft modernisieren, den Rüstungssektor stärken, die Naturressourcen besser nutzen, Bildungs- und Gesundheitssektor verbessern. Auf Medienzensur könne man verzichten, weil sie „nicht nötig“ sei, sagte er.
Der neue Premier, der am Samstag seinen 66. Geburtstag feierte, wurde 1941 in Arbat, einem Ort im Ural geboren. Seine Berufslaufbahn begann 1958 als Schlosser in einem Bergbaukombinat. Dann studierte er an der Wirtschaftsfakultät eines Agrarinstituts im Gebiet Leningrad. Nach seiner Tätigkeit als Leiter verschiedener Sowchosen hatte Subkow Ende der 80er Jahre Funktionen in der Partei und Verwaltung des Gebiet Leningrads inne. 1992 und 1993 war er Stellvertreter Putins im Komitee für Außenwirtschaftsbeziehungen der Stadtverwaltung von St. Petersburg. Damals wuchs Subkow Putin offenbar ans Herz. Er durfte auch schon mal die Kerzen auf Putins Geburtstagstorte ausblasen.

Aufstieg in St. Petersburg

Subkow machte Karriere, wenn auch langsam. 1993 wurde er Leiter der Steuerinspektion von St. Petersburg. Sein Stellvertreter dort war der jetzige russische Verteidigungsminister Anatolij Serdjukow, der jetzt mit Subkows Tochter verheiratet ist. 1999 kandidierte Subkow erfolglos für den Posten des Gouverneurs des Gebiets Leningrad. Er erhielt nur 8,6 Prozent der Stimmen. Im März 2004 wechselte Subkow nach Moskau und wurde Leiter der Föderalen Steuerinspektion. Auch der Erste stellvertretende Ministerpräsident Sergej Iwanow, der selbst als Putin-Nachfolger im Gespräch ist, lobt den neuen Premier als Mann, der „ohne Lärm und Staub arbeitet“. Nach Meinung der „Komsomolskaja Prawda“ eignet sich Subkow hervorragend als „Stabilisator“, der dem Kreml-Chef zur richtigen Stunde Bericht erstatte: „Es ist alles unter Kontrolle, der Flug ist normal, lassen Sie den Namen des Nachfolgers heraus.“

"Die Presse"

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