6. Juli 2018

Blut in der Handelskammer von Kiew

Am Freitagvormittag stürmten Mitglieder der rechtsradikalen Organisationen C14 und Rechter Sektor die Industrie-und Handelskammer von Kiew, wo ein Parteitag der liberalen Partei "Kluge Kraft" stattfinden sollte. Die rechten Schläger zerstörten einen Stand der Partei und prügelten dann auf den stellvertretenden Partei-Vorsitzenden Aleksandr Sawtschenko ein. Die Polizei blieb untätig.

Der Angegriffene, dessen Gesicht nach dem Angriff blutverschmiert war, fragte das ukrainische Innenministerium in einer Video-Ansprache, warum es solche Überfälle in der Ukraine gibt. Er dankte zwei Mitarbeitern der Handels- und Industriekammer, dass sie ihn vor den Angreifern schützten.

Die 2016 gegründete Partei "Kluge Kraft" tritt ein für "Frieden in der Ukraine", für "eine Balance zwischen den geopolitischen Kräften in der Außenpolitik" und "eine Absage an militaristische Rethorik in den Medien".

Dieser Post soll nicht einseitig sein. Deshalb werden an dieser Stelle auch die faschistischen Angreifer zu Wort kommen. Ich bitte alle Demokraten und Antifaschisten, die das unerträglich finden, um Verständnis.

Der Leiter der faschistischen Organisation C14, Jefgeni Karas, erklärte via Facebook, der stellvertretende Parteivorsitzende Sawtschenko habe gegenüber den rechten Aktivisten „Schimpfwörter benutzt“ und für sein „nicht ethisches Verhalten die entsprechende Antwort bekommen.“

Der Leiter von C14 behauptete, die Partei „Kluge Kraft“ würde dem ehemaligen Innenminister Vitali Sachartschenko nahestehen. Die Partei bestehe aus „Korrupten und Verbrechern aus dem System des Innenministeriums“. Doch das war noch nicht alles an Beschuldigungen. Die Partei „Kluge Kraft“ sei "bei den Separatisten“ beliebt.

Offenbar reicht in der "europäisierten" Ukraine die Behauptung, das Jemand bei Separatisten "beliebt" ist, aus, um ihn zusammenzuschlagen, auch wenn dieser Mensch unbewaffnet ist und einer legalen Partei angehört.

Karas erklärte weiter, die Organisationen C14, Tradition und Rechter Sektor würden auch „in Zukunft an Veranstaltungen der separatistischen Ex-Polizisten teilnehmen“.

Derartige Gewaltdrohungen werden in der Ukraine von Staatsanwaltschaft und Polizei nicht verfolgt. Im Gegenteil, diese Drohungen sind unverzichtbar für das "Funktionieren" der "europäsierten" Ukraine, die sich "endlich vom russischen Joch" befreit hat.

Leider ist davon auszugehen, dass derartige Gewalt gegen oppositionelle Kräfte zunehmen wird. Die rechtsradikalen Schlägertruppen, bzw. die Oligarchen, die hinter ihnen stehen, wollen jegliche Oppositionskraft, von den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im nächsten Jahr ausschließen.

veröffentlicht in meinem Blog in der Freitag-Community 

Teilen in sozialen Netzwerken