26. Januar 2007

Mischka legt sich schlafen

Mit mehrwöchiger Verspätung begannen die Bären im Moskauer Zoo ihren Winterschlaf.

Lange hatten die Moskauer auf richtigen Schnee gewartet. Am Donnerstag früh war es endlich soweit. Den ganzen Tag über fiel die weiße Pracht in dicken Flocken. Es wehte starker Wind. Das Resultat: In der Innenstadt kam es zu kilometerlangen Staus.

Die Autos fuhren nur noch im Schritttempo.Das Neue Jahr hat die Moskauer ohne Schnee feiern müssen. Dass es nun so heftig kommt, ist man schon gewohnt. Besonders ärgerlich ist es für die Autofahrer, die Kinder dagegen freuen sich. Die Stadtreinigung kommt gegen die Schneemengen nicht an. Auf den Bürgersteigen und den Treppen in die Metro liegt dicker Schnee. Überall versperren Schneehaufen den Weg.Ein Zyklon vom Süden hatte die weiße Pracht in die Hauptstadt gebracht. In der Nacht auf Donnerstag fielen die Temperaturen auf Minus elf Grad. Damit hatte das Klima nach Mitteilung des Wetterdienstes endlich seine Norm erreicht. 15 Personen wurden mit Unterkühlungen in Krankenhäuser eingeliefert. Zwei Menschen konnten nicht mehr gerettet werden. Sie starben an den Folgen des plötzlichen Winterwetters.Aleksej Ljachow, der Chef des Moskauer Wetterdienstes, erklärte, man rechne damit, dass die niedrigen Temperaturen noch fünf Tage anhalten.Der Klimawandel verlangt den Moskauern einiges ab. Die letzten Wochen wateten sie durch Regenpfützen und aufgeweichte Grünstreifen. Seit zwei Tagen hat nun endlich „Djed Moros“ (Väterchen Frost) die 12-Millionen-Stadt im Griff.40 Flugzeuge umgeleitetDie Straßenreinigung ist mit ihrem gesamten Personal im Einsatz. 9.000 Schneeräumfahrzeuge rückten aus. Doch die Technik kann wegen des starken Autoverkehrs nicht in vollem Umfang eingesetzt werden. Wie das Wetteramt mitteilte, fielen am Donnerstag mit 55 cm soviel Schnee wie sonst normalerweise im ganzen Monat. „Wir haben lange auf den Schnee gewartet“, sagte ein Arbeiter der Stadtreinigung gegenüber dem Fernsehkanal NTV. „Alles ist normal. Wir schaffen es. Es ist schwer, aber wir schaffen es.“Um die Straßen eissfrei zu halten, setzt die Stadtreinigung ein Streusalz ein, dessen genaue Zusammensetzung jedoch geheim gehalten wird. Die Stadtverwaltung rief dazu auf, die Autos zuhause stehen zu lassen und den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen.Die Flughäfen in Moskau sind nur noch eingeschränkt in Betrieb. 40 Flugzeuge, die in Moskau landen wollten, wurden wegen schlechter Sicht und Schneetreiben nach St. Peterburg, Nischni-Nowgorod und andere Städte umgeleitet. Die umgeleiteten Flugzeuge sollen am Abend in Moskau landen. Die Sichtweite auf dem Inlands-Flughafen Wnukowo betrug nur noch 600 Meter.



Igel-Massensterben erwartet


Mit deutlicher Verspätung begann Meister Petz (Russisch: Mischka) im Moskauer Zoo nun endlich seinem Winterschlaf. Die Bären waren schon einmal eingeschlafen, wegen der wochenlangen Plustemperaturenaber aber wieder aufgewacht. Die Mitarbeiter des Zoos hoffen, dass die Tiere nun bis Frühlingsanfang durchschlafen. „Kaum lag Schnee, hat sich der Braunbär, der wach war, in seine Höhle begeben und ist eingeschlafen“, verkündete der Pressedienst des Zoos voller Stolz. Auch die Hasen im Moskauer Umland können sich über den Schneefall nur freuen. Sie hatten ihren grauen gegen einen weißen Pelz getauscht. Ohne Schnee waren sie eine leichte Beute für die Jäger. Für die Igel ist der plötzliche Schneefall jedoch eine sehr schlechte Nachricht. Sie waren wie die Braunbären wieder aus dem Winterschlaf erwacht. Nun trapsen sie durch den dicken Schnee, ohne Futter und warme Höhle. Experten rechnen damit, dass es deshalb unter den kleinen stacheligen Freunden zu einem Massensterben kommt.
copyright by Ulrich Heyden Moskau 2007
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