13. September 2007

Subkow schließt Putin-Nachfolge nicht aus

Der 65-jährige Finanz-Aufklärer wird heute in der Duma zum Premier mit Aufstiegschancen ernannt.

Gerade erst war Viktor Subkow von Russlands Präsident Wladimir Putin als neuer Premier genannt worden, da brachte er sich selbst für die Putin-Nachfolge ins Spiel: „Wenn ich als Premier etwas erreiche“ sei „diese Variante“ nicht ausgeschlossen“, antwortete der 65-Jährige Donnerstag auf eine Journalistenfrage. Er habe noch nie ein neues Amt angenommen, wenn er nicht vorher „etwas erreicht“ habe, meinte er bescheiden und pflichtbewusst wie ein Komsomolze. Soviel ist schon sicher: Subkow will in der Regierung „Umbesetzungen“ vornehmen.

In der Duma ging es gestern ungewohnt hektisch zu. Der designierte Premier besuchte die Fraktionen und warb um Zustimmung für die Wahl am Freitag. Die Kreml-Verwaltung führt die Duma aber ohnehin an kurzer Leine, und die Kreml-Partei „Geeintes Russland“ hat eine Zweidrittel-Mehrheit. So war der Besuch eigentlich überflüssig. Nur die Kommunisten wollen gegen Subkow stimmen. Trotzdem war die Nervosität vor nahenden Personal-Entscheidungen mit den Händen zu greifen.

Putin und sein Kreis können sich auf Subkow voll verlassen, man arbeitete in den 90er-Jahren in der Stadtverwaltung St. Petersburg zusammen. Man kennt sich, man schützt sich. Vize-Premier Sergej Iwanow, selbst als Putin-Nachfolger im Gespräch, lobte Subkow als Mann, der „ohne Lärm und Staub“ arbeitet, der seine Aufgaben still aber effektiv erledigt.

Putin zieht die Zügel an


Von 1967 bis 1985 hat Subkow verschiedene Sowchosen im Gebiet Leningrad auf Vordermann gebracht, nach verschiedenen Partei- und Verwaltungspositionen, wurde er 2004 Russlands oberster Finanz-Aufklärer. Er gehört zum kleinen Kreis von Leuten, die über die Konten hoher Beamten und Unternehmer Bescheid wissen, meinte die Zeitung „Kommersant“. Dieses Wissen könne zur Disziplinierung eingesetzt werden.

Obwohl Putin auch nach Ende seiner Amtszeit eine entscheidende Rolle spielen wird und die wichtigsten Posten auch nach der Wahl von seinen Vertrauten besetzt sein werden, kann man nicht ausschließen, dass Streitereien zwischen den Hardlinern, Liberalen und Zentristen um Putin ausbrechen. Der Kreml-Chef will Regierung, Parlament und Präsidialverwaltung deshalb jetzt an noch strafferen Zügeln führen.

"Die Presse"

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