22. März 2019

Ukraine: Es ist Zeit für ein Resümee

Ulrich Heyden
Foto: Ulrich Heyden

Erinnern Sie sich noch? Im Mai 2014 jettete der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier überraschend nach Odessa. Er wollte vor dem ausgebrannten Gewerkschaftshaus einen Kranz niederlegen. Viele Menschen in Deutschland waren besorgt, angesichts der Nachricht, dass in der ukrainischen Hafenstadt 42 Menschen beim Brand im Gewerkschaftshaus von ukrainischen Ultranationalisten getötet worden waren. Und Frank-Walter Steinmeier fühlte sich bemüßigt irgend etwas zu tun.

Aber den Kranz hat er dann doch nicht niedergelegt. Der Gouverneur von Odessa hatte ihm von dem Vorhaben abgeraten. Eine Kranzniederlegung könne "zu neuen Unruhen führen", hatte der Gouverneur erklärt.

Der Opportunismus deutscher Politiker und Medien gegenüber den faschistischen Tendenzen in der Ukraine hat sich seitdem noch gesteigert. Deutschland berief Botschaftsangehörige aus Russland ab, weil angeblich Russland hinter der Skrypal-Affäre steckt. Doch gegenüber der Ukraine wurden keinerlei Zwangsmaßnahmen verhängt, obwohl diejenigen, die 42 Tote auf dem Gewissen haben, bis heute nicht ermittelt, geschweige denn vor ein ukrainisches Gericht gestellt wurden.

In Deutschland gibt es ein Schweigekartell zu dem Massaker in Odessa. Dieses Kartell wollen vier Buchautoren aufbrechen. Am Sonnabend den 23. März 2019 um 20 Uhr wollen sie im Leipziger Kulturzentrum "Monopol"/Atelier Brückner (Haus 4) das Buch "2. Mai Odessa - Fünf Jahre danach" vorstellen.

Anwesend sein werden die Buch-Autoren Oleg Muzyka (geb. in der Ukraine, Überlebender des Brandes am 2. Mai 2014, bekam politisches Asyl in Deutschland), Saadi Isakov (geb. in Moskau, seit 1991 in Deutschland, ehemaliger Chefredakteur der Jüdischen Zeitung), Lilia Bersuch (geb. in der Ukraine, Journalistin und Dolmetscherin), Frank Schumann (geb. in Torgau, ehemaliger Chefredakteur der Jungen Welt, Verleger).

Herausgeber des Buches ist der Verlag Litinwest Netanja/Israel und die edition ost/Berlin. Soviel kann ich schon verraten: Das Buch ist spannend geschrieben. Interessant ist auch, dass die Autoren nicht in Allem einer Meinung sind. 

Ich werde mich an der Veranstaltung beteiligen. Als Co-Regisseur des 2015 veröffentlichten Films "Lauffeuer", in dem es auch um den Brand des Gewerkschaftshauses in Odessa geht, weiß ich, wie schwer es ist, über das Thema in Deutschland zu sprechen.

Manche meinen, man dürfe die Ukraine nicht kritisieren, man  müsse "dem Land eine Chance geben". Ich meine, eine Chance hat die Ukraine nach dem Maidan gehabt. Nun ist es Zeit für ein Resümee. 

Ulrich Heyden

veröffentlicht in: Nachdenkseiten

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