18. September 2007

„Bibigon“ macht Kinder ruhig

Präsident Putin startet ein russisches Kinderprogramm, das „angenehme Vorbilder“ zeigen soll.

Nun hat auch Russland ein eigenes Fernsehprogramm für Kinder. „Bibigon“, das vorläufig auf den drei Staatskanälen „Rossija“, „Kultura“ und „Sport“ läuft, soll langfristig eine eigene Sendefrequenz bekommen. Benannt ist das Programm nach dem Helden des russischen Kinder-Schriftstellers Kornej Tschukowski (1882-1969), einem „winzigen Zwerg und Däumling“. Kreml-Chef Wladimir Putin persönlich soll das neue Kinder-Programm initiiert haben, dessen Budget von 29 Millionen Euro laut Fernseh-Chef Oleg Dobrodejew aus Werbeeinnahmen erwirtschaftet wurde.

In den wilden 90er Jahren gaben russische Kinder und Jugendliche als Traumberuf noch Prostituierte und Mafiosi an. Inzwischen hat die Jugend wieder der Lerneifer gepackt. Doch gerade für Kinder aus einfachen Familien gibt es bisher kaum außerschulische Spiel- und Bildungsangebote. Diese Lücke soll „Bibigon“ schließen. „Wir wollen einen wirklich guten Fernsehkanal machen, der gerne gesehen wird“, erklärte Chefproduzent Aleksandr Gurewitsch. Die Hauptaufgabe des Programms sei es, die Kinder ruhiger zu machen. Den jungen Zuschauern sollen „angenehme Vorbilder“ gezeigt, der richtige Gebrauch der russischen Sprache, die Liebe zum Sport und Wissen vermittelt werden.

Das vollständige „Bibigon“-Programm von 19 Stunden täglich können bisher aber nur die 560.000 Abonnenten des Satelliten-Kanals NTW Plus sehen. Zusätzlich wird das Programm fünf Stunden täglich auf drei-Staats-Kanälen gezeigt: Auf dem Kanal „Sport“ gibt es Gymnastik und Wettkämpfe für Kinder, der Kanal „Rossija“ zeigt unter dem Label „Bibigon“ Serien und Wissens-Wettbewerbe und der Kanal „Kultura“ sendet Wissens-Programme für Kinder.

Quoten-Opfer für die Zukunft

Für „Rossija“ ist das Kinderprogramm ein echtes Opfer, wie TV-Chef Dobrodejew feststellt, weil man in der Prime Time am Samstag Zuschauer verliere. „Aber wir machen eine globale Investition in unsere Zukunft“, erklärte er der „Rossiskaja Gaseta“.

65 Prozent der „Bibigon“-Filme sollen aus Russland kommen, 35 Prozent aus dem Ausland. Starthilfe kam vom russischen Milliardär Alischer Usmanow. Er kaufte von der US-Firma Films By Jove (Inhaber Oleg Vidov) 547 sowjetische Zeichentrickfilme zurück, die dieser 1992 von „Sojusmultfilm“ erworben hatte, und übergab sie unentgeltlich dem neuen Kinderprogramm.

Auch andere russische Milliardäre sponsern soziale und kulturelle Projekte, offenbar eine Geste der Ehrerbietung gegenüber dem Kreml. Usmanow, der vor kurzem auch die liberale Zeitung „Kommersant“ gekauft hat, ist Generaldirektor der Gasprom-Tochter „Gasprominvestholding“. Über den Kaufpreis der alten Zeichentrickfilme wurden keine Angaben gemacht. Nach Meinung von Experten lag der Preis für die insgesamt 300 Stunden Film bei fünf bis zehn Millionen Dollar. Zu den zurückgekauften Filmen gehören auch „Die Schneekönigin“ und „Das Märchen vom Zar Saltan.“

"Die Presse"
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