2. Februar 2007

Leichtes Spiel für Putin im Frage-Marathon

Russland. Der Präsident gibt nur vage Auskünfte über seinen möglichen Nachfolger im Kreml.

Nervös schnippte Wladimir Putin an seinem Kugelschreiber. Die Fragen der Journalisten wollten kein Ende nehmen. Die sechste große Pressekonferenz in seiner Amtszeit als russischer Präsident war mit dreieinhalb Stunden die längste, die es je gegeben hat.

Putin zeigte sich offen für alle Fragen. Er hatte auch leichtes Spiel. Von den 1232 akkreditierten Journalisten wagte nur einer, sich nach den Morden an der Journalistin Anna Politkowskaja und dem Ex-Geheimdienstoffizier Alexander Litwinenko zu erkundigen. Wer hinter dem Mord an Politkowskaja stehe, „das können nur die Ermittlungen und mehr noch die Gerichte zeigen,“ meinte Putin. Man werde „alles dafür tun“, um die Journalisten in Russland zu schützen, versprach der Kreml-Chef. Dann holte er zum Seitenhieb auf Litwinenko aus. Dieser habe gar keine Staatsgeheimnisse gekannt und somit keinen Grund, nach Großbritannien zu flüchten, erklärte Putin. Mit konkreten Fragen zu den zum Teil katastrophalen sozialen Problemen im Land und zu rechtsradikalen Attacken gegen Ausländer wurde der Kreml-Chef weitgehend verschont.Zwei Kandidaten im GesprächEnde dieses Jahres stehen in Russland Parlamentswahlen an, im März 2008 wird der Präsident gewählt. Bis heute rätselt die Öffentlichkeit, wen Putin als seinen Nachfolger auswählt. Nach dem Ende der zweiten Amtszeit muss Putin sein Amt niederlegen. Was seinen Nachfolger betrifft, so habe der Wähler das letzte Wort, sagte Putin. Es werde „keine Nachfolger“, sondern nur „Kandidaten für das Amt des Präsidenten“ geben.Putin erklärte, er werde seine Präferenz erst im Wahlkampf bekannt geben. Wer für den Posten des Präsidenten in Frage komme, sei schon „im Amt“. Damit spielte der Kreml-Chef auf zwei Kandidaten an, die der Öffentlichkeit bekannt sind – Vizepremier Dmitri Medwedjew und Verteidigungsminister Sergej Iwanow.

Ulrich Heyden, Sächsische Zeitung

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