21. Mai 2022

Mariupol/Asowstal: 2.400 Asow-Mitglieder und ukrainische Soldaten kapitulierten

20. Mai 2022. Dieser Tag wird in die Geschicht eingehen. Wie der Sprecher des russischen Generalstabs, Generalmajaor Igor Konaschenko, miteilte, hat heute die letzte Gruppe von 531 Mitgliedern des rechtsradikalen Asow-Regiments und ukrainischen Soldaten ihre Zuflucht im unterirdischen Teil des Werkes Asowstal in Mariupol verlassen. Die Asow-Mitglieder und ukrainischen Soldaten haben ihre Waffen abgegeben, sich durchsuchen lassen und wurden dann in Gefangenenlager und Krankenhäuser abtransportiert.

Nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti haben Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes und eine ukrainische Delegation die Gefangenenlager und Krankenhäuser besuchen können. Aleksandr Kowaljow, der Vertreter der ukrainischen Delegation, erklärte, es habe von Seiten der ukrainischen Gefangenen keine Beschwerden über schlechte Behandlung gegeben.

Wie der russische Generalmajor Igor Konaschenko mitteilte, haben sich seit dem 16. Mai 2022 insgesamt 2.439 Mitglieder des Asow-Bataillons und ukrainische Soldaten, die sich seit dem 21. April 2022 im Werk Asowstahl verschanzt hatten, in mehren Schüben ergeben.

Der russische Journalist Andrej Kots berichtete, dass sehr unterschiedliche Gruppen von Gefangenen aus dem Stahlwerk kamen. Während die ersten Gruppen wie schlecht ernährte Obdachlose aussahen, sei die letzte Gruppe gut ernährt und gekleidet gewesen. Die Konserven-Vorräte des Asow-Bataillons seien offenbar sehr ungleich verteilt gewesen.

Unter den Gefangenen sind auch Frauen. Berichte über ausländische Söldner, die im Stahlwerk vermutet wurden, haben sich bisher nicht bestätigt. Doch die Befragungen der Gefangenen durch Ermittler der russischen Armee beginnen erst jetzt.

Was viele Deutsche nicht wissen: Das Asow-Bataillon wurde am 4. Mai 2014 in Mariupol von dem gerade aus dem Gefängnis entlassenen Rechtsradikalen Andrej Biletzki gegründet. Wer ist Biletzky? Er wurde 1979 iim ostukrainischen Charkow geboren, wo er die Organisation "Patrioten der Ukraine aufbaute". 2001 schloss er eine Geschichts-Diplomarbeit über die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) ab. Die UPA hatte im Zweiten Weltkrieg mit der Hitler-Wehrmacht kooperiert. Seit  2011 saß Biletzki wegen eines Raubüberfalls im Gefängnis, wurde aber im Februar 2014 - zwei Tage nach dem Staatsstreich in Kiew - als "politischer Gefangener" entlassen.

Finanziert wurde die Gründung des Asow-Bataillons, welches das Wappen der SS-Division "Das Reich" als Wappen führt und die Ideologie einer weißen Herrenrasse vertritt, von dem ukrainischen Oligarchen Igor Kolomoiski, der auch beim Aufstieg von Wolodymir Selenski behilflich war. Unterstützt wurde die Gründung des Bataillons auch von Arsen Awakow, der nach dem Staatsstreich in Kiew im Februar 2014  Innenminister der Ukraine geworden war und wie Bileztki aus Charkow stammt, wo Awakow von 2005 bis 2014 Gouverneur war. Im November 2014 gliederte Awakow das Asow-Bataillon in die ukrainische Nationalgarde ein. 

Unmittelbar nach seiner Gründung am 9. Mai 2014 war das Asow-Bataillon beteiligt an der gewaltsamen Zerschlagung der Opposition in der Hafenstadt Mariupol. Am 9. Mai zerschlugen die ukrainischen Soldaten, Nationalgardisten und das Asow-Bataillon einen Bürger-Marsches in Mariupol. Der Marsch wurde durchgeführt aus Anlass des Siegestages über den Hitler-Faschismus. Am gleichen Tag beschoss die Nationalgarde die Innenbehörde von Mariupol. Der Grund: In dem Gebäude befanden sich Polizisten, die den Befehl verweigerten, den Marsch zum Siegestag über den Hitler-Faschismus gewaltsam aufzulösen (siehe dazu meinen Bericht vom Mai 2014 in Telepolis).

Spiegel Online und andere deutsche Medien bemühten sich in den letzten Monaten dem Asow-Bataillon etwas heldenhaftes anzudichten, weil es so "mutig" gegen die russische Armee kämpfe. Spiegel Online behauptete das Asow-Regiment habe sich von dem rechtsradikalen Gründer des Bataillons Biletzky "distanziert". Der einzige Beleg für diese Behauptung war eine angeblich Äußerung des Asow-Pressesekretärs.

Merkwürdig nur, dass die großen deutschen Medien in den vergangenen Wochen besonders diejenigen in der Ukraine als "mutige Kämpfer" bejubelten, die erklärte Rechtsradikale sind.  

Das Video zur Kapitulation der letzten Gruppe aus dem Werk Asowstal Ria-Video vom 20. Mai 2022

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