4. January 2026

Nach Maduro-Entführung: Russisches Fernsehen ändert Ton gegenüber Trump

Screenshot Rossija 1
Foto: Screenshot Rossija 1

Hauptthema in den Nachrichtensendungen des russischen Fernsehkanals Rossija 1 ist auch heute die Entführung des Präsidenten von Venezuela, Nicolas Maduro, durch US-Militärs. Bilder von Maduro in verschiedenen Positionen – gehend, begleitet von Sicherheitskräften und sitzend mit erhobenen Daumen, werden gezeigt. Man sieht die Vizepräsidentin Delcy Rodriguez sagen, Maduro sei auch weiterhin der Präsident von Venezuela. Rossija 1 berichtet über Plünderungen in Geschäften von Venezuela und man sieht Schlangen von Menschen vor Lebensmittelgeschäften. Aber Hinweise auf ein Wanken der Macht in Venezuela gibt es in den russischen TV-Nachrichten nicht. Man zeigt Generäle des Landes, die an einer Karte etwas beratschlagen. Eine Zivilistin in Caracas berichtet über die US-Bombardements.

Die Frage, wie es kommen konnte, dass US-Militärs in einer nächtlichen Aktion den Präsidenten entführen konnten, wird nicht behandelt. Auch die Frage von möglichem Verrat, wie er im russischen Internet auftauchte, wird nicht thematisiert.

Breiten Raum in der Berichterstattung von Rossija 1 nehmen die Solidaritätsaktionen für Maduro in lateinamerikanischen Staaten, in Europa, vor allem aber in den USA, ein. Der französische Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon kommt mit seiner Kritik an dem Rückfall der USA in die Interventions-Politik ausführlich zu Wort. Dass die Führung der EU die Entführung von Maduro faktisch billigt, wird erwähnt. O-Töne von Politikern aus der EU werden nicht gesendet. In der Nachrichtensendung vom 3. Januar wurde als Stimme aus Europa ein kurzer Ausschnitt aus einem Auftritt des deutschen Journalisten Patrik Baab gesendet.

Die russische Fernseh-Berichterstattung hat einen klaren Anti-Trump Ton. Jeder Russe mit Verstand spürt, dass der Angriff auf Venezuela ein Angriff auf alle Staaten ist, die sich der US-Hegemonie nicht beugen wollen. Trump, der durch seine pragmatische Politik für eine Friedensregelung in der Ukraine Sympathien von Russen gewann, wird man jetzt wahrscheinlich nicht mehr trauen. Dass sich die Entführung von Maduro auf den Friedensprozess in der Ukraine nicht günstig auswirkt, ist offensichtlich. Denn welchen Wert haben Friedensverhandlungen mit einem unberechenbaren Cowboy?

 

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