7. Mai 2008

Pompöser Wechsel

Ob Dmitri Medwedjew, der heute sein Amt antritt, wie Putin ein starker Präsident sein wird, ist mehr als unsicher. Putin bleibt mit seinem Posten als Premier im Zentrum der Macht.

MOSKAU. In Russland gibt es in diesen Tagen gleich zwei historische Ereignisse. Heute Mittag endet die Amtszeit von Wladimir Putin, der Russland acht Jahre lang führte und unter dem das Land eine relative Stabilität erreichte. Morgen wird Putin nach einem Vorschlag seines Nachfolgers Dmitri Medwedjew das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen.

Der am 2. März mit 70 Prozent der Stimmen gewählte neue Präsident wird heute im Rahmen einer pompösen Feier sein Amt antreten. Medwedjew und Putin kennen sich seit Anfang der 90er Jahre aus der Arbeit in der Stadtverwaltung in St. Petersburg. Der 45-jährige Jurist Medwedjew war in der Vergangenheit durch liberale Bekenntnisse aufgefallen. Putin hat den Westen aber schon vor übertriebenen Hoffnungen auf eine liberale Wende gewarnt. Beim Besuch von Angela Merkel, Anfang März in Moskau, erklärte Putin, der Westen werde es mit Medwedjew "nicht leichter" haben. Auch der neue Präsident sei im guten Sinne des Wortes ein "russischer Nationalist". Russland ist bisher einen Führer gewohnt. Sobald es mehrere Machtzentren gab, kam es häufig zu erbitterten Fehden zwischen den Clans, bis hin zum Blutvergießen. Medwedjew und Putin demonstrierten in der Öffentlichkeit bisher Einigkeit.

Und so sieht der Fahrplan für die Machtübergabe aus: Die Feier zur Amtsübergabe beginnt heute um 9.40 Uhr deutscher Zeit im Kreml. Die Veranstaltung dauert eine Stunde. Sie wird von drei russischen TV-Stationen live übertragen. Morgen wird die Duma Putin in einer Sondersitzung als Premier bestätigen. Zu der Amtsübergabe im Kreml werden 2500 Gäste erwartet, unter ihnen Minister, Abgeordnete der beiden Parlamentskammern, Vertreter der Kirchen, Vertreter der Geschäftswelt, Kulturschaffende, Sportler und ausländische Botschafter. Putin wird mit einem Mercedes vorgefahren. Er betritt den Kreml durch einen Nebeneingang. Dann durchschreitet er feierlich drei Säle - den Georgij-, den Aleksandr- und den Andrejew-Saal - wo sich die Gäste versammelt haben.

Der neue Präsident, Dmitri Medwedjew, betritt den Kreml durch den Haupteingang. Zu der Musik eines Tschajkowski-Marsches durchschreitet er ebenfalls die drei Säle. Nachdem der neue Präsident seinen Eid auf die Verfassung abgelegt hat, erklingt die Nationalhymne, deren Melodie mit der Hymne der Sowjetunion identisch ist. Nach den Reden von Putin und Medwedjew donnern hinter der Kreml-Mauer 30 Salutschüsse. Dann werden der alte und der neue Präsident eine Parade der präsidialen Leibwache - inklusive Reitern zu Pferde - abnehmen. Am 9. Mai, dem Tag des Sieges im zweiten Weltkrieg, ist dann die größte Parade seit Ende der Sojetunion geplant, für die bereits seit Tagen geprobt wird.

Tausende Sicherheitskräfte wurden gestern aufgeboten, um eine Demonstration des von Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow geführten Oppositions-Bündnisses "Das andere Russland" zu verhindern. 40 Demonstrantenb wurden dabei festgenommen.

"Thüringer Allgemeine"

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