13. November 2007

Schwarzmeerküste droht Naturkatastrophe

Tausende Tonnen Öl und Schwefel sind aus havarierten Schiffen ins Meer gelaufen. In dem Unwetter starben einige Seeleute, nach anderen wird noch gesucht.

"So einen Sturm habe ich seit 20 Jahren nicht erlebt", erklärt der Steuermann des Motor-Schiffes Wolnogorsk im russischen Fernsehen. Durch die 40 Kilometer lange Meerenge von Kertsch, die das russische Festland und die Ukraine trennt, fegte am Sonntag ein Sturm mit Windstärke sechs. Die Wellen waren bis zu fünf Meter hoch.

Die Rettung der Mannschaft grenze "an ein Wunder", erklärte der Steuermann. Drei Tote, fünf vermisste Seeleute, Ölschlamm an der russischen Schwarzmeerküste sowie sechs havarierte und vier untergegangene Schiffe, das ist bis jetzt das Ergebnis des Sturms, wie ihn die Seeleute vor der Krim in den letzten 30 Jahren noch nicht erlebt haben. Die Sturmwarnung kam nach einem Bericht der Moskauer Zeitung "Kommersant" zu spät. Die Kapitäne schafften es nicht mehr, ihre Schiffe ins Meer zu dirigieren, wo es bei Sturm bessere Manövriermöglichkeiten gibt. Stattdessen legten sie ihre Schiffe in der Meerenge, wo es keine schützenden Buchten gibt, vor Anker. Anatoli Jantschuk, Leiter des russischen Seenotrettungsdienstes, gestand im Fernsehen ein, "wir haben es noch nicht gelernt, genaue Wettervorhersagen zu machen". Nach anderen Meldungen haben die Schiffe trotz Sturmwarnung die Meerenge passiert. Die Liste der havarierten Schiffe gleich einem Kriegsbericht. Der Tanker Wolgonneft-139 mit 4000 Tonnen Öl an Bord zerbrach in zwei Teile. 2000 Tonnen Öl liefen bereits aus. Nach Mitteilung des russischen Katastrophenministeriums gelangten 6800 Tonnen Schwefel ins Meer. Der Schwefel ist nach Aussage russischer Experten ein noch größeres Problem als das Öl.
Mehr als 30 000 Vögel seien mittlerweile durch die Folgen an der russischen Schwarzmeerküste verendet, melden Nachrichtenagenturen. "Der Schaden ist so groß, dass man ihn gar nicht abschätzen kann. Das kommt einer ökologischen Katastrophe gleich , sagte der Gouverneur des betroffenen Gebietes Krasnodar, Alexander Tkatschow, gestern nach Angaben der Agentur Interfax.

"Thüringer Allgemeine"

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