28. March 2025

Vier tote russische Journalisten in drei Tagen (Nachdenkseiten)

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Foto: Screenshot NTW

28. März 2025 um 9:00 Ein Artikel von Ulrich Heyden

In drei Tagen sind durch das ukrainische Militär vier russische Journalisten gestorben – eine Zahl, die alarmiert. Nach Meinung der Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, nimmt das ukrainische Militär russische Journalisten gezielt unter Feuer. Allein bis Dezember 2022 starben 32 prorussische Journalisten im Ukraine-Krieg. Ein Bericht von Ulrich Heyden (Moskau).

Die Situation für Journalisten im Ukraine-Krieg ist noch nicht so dramatisch wie im Gaza-Gebiet, aber es geht in diese Richtung. Am 26. März starb im russischen Grenzgebiet Belgorod die 35 Jahre alte Journalistin Anna Prokowjewa. Sie war Korrespondentin des russischen 1. Kanal. Das Auto, in dem Prokowjewa saß, fuhr auf eine ukrainische Miene. Der Vorfall ereignete sich im russischen Dorf Demidowka nahe der russisch-ukrainischen Grenze.

Der Kollege von Prokowjewa, der Kameramann Dmitri Wolkow, wurde bei der Explosion der Mine verletzt. Wie der Gouverneur des Kursker Gebietes, Aleksandr Chinschtejn, mitteilte, erlitt Wolkow Verbrennungen der Atemwege, im Gesicht und an anderen Körperteilen. Er wird in einem Krankenhaus von Kursk künstlich beatmet, die Ärzte kämpfen um sein Leben.

Die getötete Journalistin Anna Prokowjewa arbeitete als Korrespondentin zuletzt in der Stadt Sudscha, welche die ukrainischen Soldaten verlassen haben. Sie nahm an der Evakuierung von Zivilisten teil.

Prokowjewa hatte ein Studium an der Moskauer Universität für Völkerfreundschaft im Fach Journalistik abgeschlossen. Sie sprach fließend Spanisch und arbeitete für die Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja. Zum 1. Kanal kam sie 2023. Zu ihren Aufgaben gehörten Reportagen aus dem Gebiet der russischen „Spezialoperation“ in der Ukraine.

Wie der Mitarbeiter des russischen Außenministeriums Rodion Miroschnik mitteilte, war die Mine, durch die Prokowjewa starb und ihr Kameramann verletzt wurde, in eine Gegend gelegt worden, in der sich Zivilisten aufhalten.

Gezielter Beschuss mit HIMARS-Rakete

Bereits am 24. März waren im Dorf Michailowka im Gebiet Lugansk durch gezielten Beschuss mit einer HIMARS-Rakete drei russische Journalisten und drei Zivilisten getötet worden. Tödlich getroffen wurden ein Korrespondent der Zeitung Iswestija, der 28 Jahre alte Aleksandr Fjodortschak, sowie Andrej Panow und Aleksandr Sirkeli, der Kameramann und der Fahrer des Militär-TV-Kanals Swesda.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte, bei den Angriffen auf Journalisten handele es sich „um eine gezielte Maßnahme des Kiewer Regimes, um den Informationsraum zu säubern“. Vor Selenskyj habe die Regierung in Kiew mit Zensur gearbeitet. „Diese Maßnahmen gingen dann in Gewalt über, Morde, die Nicht-Untersuchung von Morden, die gewaltsame Festnahme von Journalisten und Angriffe auf Redaktionen.“ Jetzt mache das ukrainische Militär „gezielt Jagd auf russische Journalisten“. Russland werde dieses Thema auf der nächsten Sitzung des UNO-Sicherheitsrates ansprechen.

Ein Sprecher des Generalsekretärs der Vereinten Nationen drückte den Familien der kürzlich getöteten russischen Journalisten sein Beileid aus, erklärte aber gegenüber der Nachrichtenagentur TASS, die UNO könne die Vorfälle ohne Mandat nicht untersuchen. Das Mandat erteilen die UNO-Vollversammlung und der UNO-Sicherheitsrat.

Im Dezember 2022 veröffentlichte das Mitglied der russischen Gesellschaftskammer Aleksandr Malkewitsch eine Liste von 32 prorussischen Journalisten, die im Zusammenhang mit dem Krieg im Donbass zwischen 2014 und 2022 ermordet wurden.

veröffentlicht in: Nachdenkseiten

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