11. September 2009

Moskau öffnet USA Luftkorridor

von Ulrich Heyden

Lufttransport. Der US-Nachschub darf jetzt ohne finanzielle Gegenleistung über russisches Territorium nach Afghanistan fliegen.

Ulrich Heyden Moskau (SN). Trotz der sich zuspitzenden Lage in Afghanistan gibt es für Washington in diesen Tagen Grund zum Aufatmen. Dieser Tage trat ein zwischen den Präsidenten Barack Obama und Dmitrij Medwedew im Juli unterzeichnetes Abkommen in Kraft, mit dem Russland den USA einen Luftkorridor für Transporte von amerikanischen Soldaten und Militärgütern nach Afghanistan öffnet. Moskaus NATO-Botschafter Dmitri Rogosin erklärte, der Luftkorridor sei kostenlos, man erwarte aber „einen Beitrag der amerikanischen Behörden in bestimmte für uns wichtige Richtungen. Kostenlosen Käse gibt es nur in der Mausefalle."

Der russische Afghanistan-Experte Andrej Serenko meint, der russische Luftkorridor werde „zu einem Schlüsselfaktor für den Erfolg der amerikanischen Militärmission in der Region“. Moskau erwarte als Gegenleistung, die Nichtaufnahme von Georgien und der Ukraine in die NATO und die Absage der geplanten Raketenabwehr in Polen und Tschechien.

Die konservative „Nesawisimaja Gaseta“ schreibt, Moskau wünsche zwar nicht, „erneut in den Strudel eines Kriegs am Hindukusch hineingezogen zu werden“, könne aber auch nicht nur einfach Beobachter sein. „Wenn die Taliban stark werden, wirkt sich das auch auf die ehemaligen sowjetischen Republiken in Zentralasien aus.“Kein Transport auf dem Land Die autoritären und halbautoritären Regierungen in Zentralasien seien nicht in der Lage „selbstständig mit dem Ansturm islamistischer Extremisten fertig zu werden“, schreibt das Blatt. So müsse Russland diesen Ländern mit dem Luftkorridor „zu Hilfe kommen“.

Die USA könnten nach dem jetzt in Kraft getretenen Abkommen jährlich 4300 Versorgungsflüge über russischem Territorium abwickeln und sparten damit 133 Millionen Dollar Transportkosten, denn der Überflug sei kostenfrei, schreibt die „Nesawisimaja Gaseta“. Das Abkommen sieht jedoch vor, dass die Flugzeuge ein Mal auf russischem Territorium zwischenlanden müssen. Die Zwischenlandungen sollten auf dem Militärflughafen in Rostow am Don abgewickelt werden, schreibt der Moskauer „Kommersant“. Russland habe sich das Recht vorbehalten, die Ladung der Transportmaschinen zu kontrollieren.

Vergleichbare Abkommen für den Lufttransport von Soldaten und Militärgütern hat Russland bereits mit Spanien, Frankreich und Deutschland geschlossen. Bereits auf dem NATO-Russland-Gipfel im April vorigen Jahres einigten sich Russland und die NATO über den Transport von nichtmilitärischen Gütern, wie Nahrungsmittel, über die russische Eisenbahn nach Afghanistan.

Russland habe bisher mit „keinem Land der Welt“ ein Abkommen über den Transport von militärischen Gütern auf dem Landweg, erklärte Moskaus NATO-Botschafter, Dmitri Rogosin.

Dank des russischen Luftkorridors könnten die USA jetzt Obamas Plan verwirklichen, die Militärtransporte zum Hindukusch wesentlich zu erhöhen, meinen Moskauer Experten.

Bisher wickeln die USA und ihre Verbündeten 75 Prozent des militärischen Nachschubs für Afghanistan über den pakistanischen Khyber-Pass ab. Diese Route ist wegen Taliban-Attacken jedoch zunehmend gefährdet. Außer dem Landweg aus Pakistan gab es für die USA noch eine Luftbrücke vom rheinland-pfälzischen Luftwaffenstützpunkt Rammstein und der amerikanischen Militärbasis Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

"Salzburger Nachrichten"

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