16. Dezember 2010

Noch mehrere Jahre Gefängnis

Meinung

Von SZ-Mitarbeiter Ulrich Heyden

Die Verschiebung der Urteilsverkündung im Prozess gegen den ehemaligen Yukos-Chef Michail Chodorkowski und seinen Geschäftspartner, Anton Lebedew, kam völlig überraschend. Offenbar will das Gericht mit der Verschiebung die internationale Aufmerksamkeit dämpfen, denn unmittelbar vor und nach den Neujahrsfeierlichkeiten sind die Menschen mit anderen Dingen beschäftigt.

Ein Grund für die Verschiebung könnte aber auch sein, dass man im Kreml über ein angemessenes Strafmaß streitet. Vor ein paar Tagen meldete sich überraschend Medwedews Wirtschaftsberater Arkadi Dworkowitsch zu Wort und erklärte, er hätte es als damaliger stellvertretender Wirtschaftsminister bemerkt, wenn es bei Yukos einen Öldiebstahl gegeben hätte. Doch eine deutliche Minderung des Strafmaßes könnte für Putin als persönliche Niederlage wirken. Von daher muss man wohl davon ausgehen, dass der ehemalige Yukos-Chef noch mehrere Jahre im Gefängnis sitzen muss.

veröffentlicht in: Saarbrücker Zeitung

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