27. Januar 2007

Putin träumt von Dreier-Achse

Wladimir Putin sieht Russland, China und Indien als «logische Partner»

Mit einer Demonstration militärischer Stärke hat Indien zum 58. Mal den Tag der Republik gefeiert. Gast bei der Militärparade war der russische Präsdient Putin. Er hofft auf das grosse Indien-Geschäft.
Die Parade in Neu-Delhi glich streckenweise einem Karneval. Soldaten in bunten Kostümen, Elefanten mit Kindern, die Heldentaten vollbracht hatten, Raketen und supermoderne Panzer, all das zog in einer langen Kolonne am Kreml-Chef vorbei.

Putin träumt - wie vor ihm schon andere russische Politiker - von einer Achse Russland-China-Indien. So eine Achse sei logisch, erklärte der Kreml-Chef. Immerhin entfalle auf die drei Staaten und Brasilien in den nächsten Jahren der Hauptanteil des weltweiten Wirtschaftswachstums. Der russische Präsident setzt grosse Hoffnungen auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Indien. Das Handelsvolumen soll in den nächsten drei Jahren von derzeit 3,8 auf 10 Mrd. Dollar steigen.

Chinesischen Raketentest kritisiert

Ganz reibungslos läuft es in der gewünschten Achse jedoch nicht. Putin und sein Amtskollege, der indische Ministerpräsident Manmohan Singh, kritisierten den Abschuss eines chinesischen Satelliten durch eine ballistische chinesische Rakete. Putin erinnerte jedoch daran, «dass China nicht das erste Land ist, das solche Tests durchführt». Die USA hätten mit ihren Plänen zum «Krieg der Sterne» schon in den 80er-Jahren begonnen. «Der Weltraum muss frei von Waffen sein. Man darf den Geist nicht aus der Flasche lassen», erklärte der Kreml-Chef.
Im Rahmen des Putin-Besuchs wurde eine Absichtserklärung über den Bau von vier neuen Atomkraftwerken unterzeichnet. Zwei Atomkraftwerke mit 1000-Megwatt-Reaktoren werden bereits mit russischer Hilfe im südindischen Kudankulam gebaut. Insgesamt plant Russland in Indien den Bau von zehn neuen AKW. Der genaue Preis für die vier neuen Reaktoren ist bisher nicht bekannt. Die Angaben schwanken zwischen 6 und 10 Milliarden Dollar. Der indische Ministerpräsident Singh dankte Russ land für die Zusammenarbeit auf dem Energiesektor und erklärte: «Wir wollen eine langfristige Partnerschaft mit Russland auf diesem lebenswichtigen Gebiet.»


Noch mehr Rüstungsgeschäfte

Auch im Rüstungssektor wird die Zusammenarbeit ausgeweitet. Schon jetzt ist Russland Indiens wichtigster Lieferant von Rüstungsgütern. Im Rahmen des Putin-Besuchs wurde vereinbart, dass Indien einen begrenzten Zugang zum satellitengestützten russischen Navigationssystem Glonass bekommt. Glonass soll in einigen Jahren dem amerikanischen GPS Konkurrenz machen. Ausserdem wurde zwischen dem russischen Flugzeugbauer Irkut und dem indischen Unternehmen HAL ein Protokoll über die geplante Gemeinschaftsproduktion eines Mehrzweck-Transportflugzeuges unterzeichnet. Insgesamt sollen 200 Maschinen gebaut werden. Indien will sich mit 8 Milliarden Dollar an dem Projekt beteiligen.
Ein Vertrag über den gemeinsamen Bau eines Kampfflugzeuges der «fünften Generation» - es soll ein Gegenstück zur amerikanischen F-35 sein - kam dagegen nicht zustande. Wie ein Mitglied der russischen Delegation erklärte, gebe es auf der indischen Seite «bürokratische Verzögerungen». Man rechne in drei bis fünf Monaten mit einer Vertragsunterzeichnung. Moskau hofft ausserdem auf Erfolg bei der Ausschreibung für 126 leichte Kampfflugzeuge. Russland bietet seinen multifunktionalen Kampfbomber MIG-35 an. Der Auftrag hätte einen Umfang von 6 Milliarden Dollar.
Ulrich Heyden, Aargauer Zeitung

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