29. Juni 2009

Russland will China in Afrika Paroli bieten

ULRICH HEYDEN MOSKAU, LUANDA (SN, n-ost). Eine 4.000 km lange Gaspipeline, die das Nigerdelta mit Europa verbindet: Dies ist eines der ehrgeizigen Projekte, für das jetzt beim Besuch von Kremlchef Dmitri Medwedew in Nigerias Hauptstadt Abuja erste Verträge unterschrieben wurden. Medwedew besuchte vorige Woche im Rahmen einer Afrikareise, mit der Russland seine Beziehungen zum Schwarzen Kontinent wieder beleben will, Ägypten, Namibia, Nigeria und Angola. Die Afrikaner zeigten sich an russischer Hilfe beim Bau von Atomkraftwerken interessiert; die Russen sollen in Angola stärker in der Diamantenförderung aktiv werden.

Bereits 2010 will Russland im Rahmen eines russisch-nigerianischen Gemeinschaftsunternehmens mit dem Bau des ersten 360 km langen Teilstücks einer Transsahara-Gaspipeline beginnen. Mit dem Projekt will Russland offenbar der EU zuvorkommen, die selbst an einem Pipelineprojekt feilt, welches Nigeria an das algerische Pipelinenetz und damit an Europa anschließen soll. Das Rennen um die Kontrolle über die Pipelines aus dem Osten und dem Süden, die das energiehungrige Europa in Zukunft versorgen sollen, ist mit dem russischen Vorstoß um eine Variante reicher.

Dass es Russland gelungen ist, diesen Vertrag abzuschließen, liegt nach Meinung des russischen Kommentators Andrej Fedjaschin daran, dass Russland im Gegensatz zu westlichen Unternehmen keine Forderungen stellt, die ausufernde Korruption in Nigeria zu bekämpfen und das Abfackeln von Gas zu beenden.

Ob sich das russisch-nigerianische Pipelineprojekt jedoch verwirklichen lässt, ist angesichts von Sicherheitsrisiken unsicher. Im Nigerdelta sind seit Jahren bewaffnete Gruppen aktiv, welche die Ausplünderung des Landes kritisieren und nach einer Meldung von Ria Novosti just vor dem Medwedew-Besuch eine Pipeline der Royal Dutch Shell sprengten.

Im russischen Überschwang bezeichneten Moskauer Kommentatoren die Medwedew-Reise als „zweite Entdeckung Afrikas“. Sie erinnerten an Sowjet-Zeiten, als Moskau Befreiungsbewegungen in Afrika unterstützte und Tausende Afrikaner, die jetzt Politiker und Militärs sind, sowjetische Universitäten besuchten.

„Fast wären wir zu spät gekommen,“ gestand Medwedew ein und spielte damit offenbar auf China an. Das Handelsvolumen zwischen China und Afrika erreichte 2008 die Summe von 100 Mrd. Dollar, während der Handel zwischen Russland und Afrika 2007 nur einen Umfang von sechs Mrd. Dollar hatte.

"Salzburger Nachrichten"
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