4. Dezember 2011

Angestaute Wut

Für die meisten Russen stand der Ausgang der Duma-Wahl schon vorher fest. Die von wirtschaftlicher Stagnation und politischer Unfreiheit enttäuschten Russen sind trotzdem zur Wahl gegangen, weil sie mit ihrer Stimme protestieren wollten, gegen die Selbstherrlichkeit einer Beamten-Kaste, die im Öl- und Gas- Boom reich geworden ist.

Wieviel Wut sich angestaut hat, wirdauch daran deutlich, dass viele Liberale diesmal für die Kommunistenstimmten, die einzigeOppositionspartei, die sicher über die Sieben-Prozent-Hürde kommt.

Seit Wladimir Putin im Jahr2000 die Leitung der Staatsgeschäfteübernahm, sind die Oppositionsparteiengegen Wahlfälschungen immer wieder juristischvorgegangen, allerdings erfolglos.Dass die Proteste gegen derartige Fälschungen nie in einerorangenen Revolution mündeten,hat vor allem damit zu tun, dass die größte Oppositionspartei,die Kommunisten, soweit nicht gehen will.

Putin und Dmitri Medwedew sind in den Augen vieler Russennicht mehr so legitimiert, wievor der Finanzkrise, als das Wirtschaftswachstum noch achtProzent betrug und die Löhnevon Jahr zu Jahr stiegen.

Der Verlust an Legitimität für Putin und Medwedew wurdeauch durch den Rollentauschgefördert, mit dem Putin jetzt seinen Kronprinzen Medwedewaus dem Amt verdrängt. DassPutin nach seiner Wiederwahl
im März 2012 zwölf Jahre durchregieren kann, behagt vielenRussen nicht. Sie befürchten,dass diese Amtszeit zur Zementierung von Korruption,wirtschaftlicher Stagnation undpolitischer Unfreiheit führt. Wie
sehr die demokratischen Freiheiten in Russland bedroht sind,zeigen die Hacker-Attacken aufkritische Medien am Sonntag.

veröffentlicht in: Nordsee-Zeitung

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