Ulrich Heyden
Journalist - Moskau - Berichte, Analysen & Videos
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2. January 2021
Hungrige Bären, erkaltete Lava (der Freitag)
Russland In der Stille Kareliens bekommt unser Autor nicht nur rätselhafte Steinzeichnungen zu Gesicht. Dass ich in Karelien auf einen Vulkan stoßen würde, war nicht zu erwarten. Ich hatte im Herbst ein Haus am Sjam-See, acht Autostunden nordöstlich von St. Petersburg, gemietet und bald erfahren, dass es in nordöstlicher Richtung einen Vulkan gebe. Was unglaublich klang. Ich fuhr in Richtung Petrosawodsk am Onegasee und von dort weiter nach Norden zum Dorf Girvas, in dessen Umgebung man den „Girvas-Vulkan“ finden sollte. Die Ortschaft selbst war 1931 als Siedlung für Arbeiter entstanden, die seinerzeit die Staumauer für das Wasserkraftwerk Kondopoga bauten, eines der ersten in der Sowjetunion. Sobald der Stausee zu viel Wasser führte, wurde dies in eine Felsschlucht abgelassen. Als dort die Sandschicht weggespült war, entdeckte man 1967 einen 50 mal 20 Meter großen Krater und erstarrte Lavaströme.
25. October 2020
Moskau: Das Verhältnis zur sowjetischen Geschichte und Baukunst verbessert sich
In Moskau wurden in den letzten zwanzig Jahren mehrere historisch wertvolle Gebäude aus der Sowjetzeit wiederhergestellt. Anfang September wurde das komplett renovierte Hafengebäude am nördlichen Moskauer Flusshafen wiedereröffnet. Der Besucherandrang ist groß. Eine Reportage aus Moskau von Ulrich Heyden.
19. October 2020
Hey, Mr President
Hey Mr President!, ein Rap von mir aus dem Jahre 1985. Ich schrieb das Lied für unsere Band, "Die Untermieter". Was war das damals für eine Zeit? Die Amis wollten Pershing-Raketen in Westdeutschland aufstellen und sogar im Weltraum aufrüsten. Dagegen entwickelte sich eine Friedensbewegung. Hunderttausende kamen zur Demonstration in Bonn. Heute lassen die USA Abrüstungsverträge mit Russland auslaufen und wollen sie nicht verlängern. Es ist höchste Zeit sich für den Frieden zu bewegen!
21. December 2019
Freund des Sports
Porträt - Juri Ganus will als RUSADA-Chef russische Athleten vor Doping bewahren und wird als „Verräter“ angegriffen. Der Leiter der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA ist in schwere Konflikte geraten. Juri Ganus verlangt den Rücktritt von Funktionären des russischen Leichtathletikverbandes, dort gebe es die meisten Doping-Fälle, meint der 55-Jährige. Seit dem 31. August 2017 führt er die nationale Anti-Doping-Aufsicht als Ableger der internationalen Anti-Doping-Agentur WADA.
15. December 2019
Moskauer Weihnachtsmarkt
Bei meinem Gang über den Weihnachtsmarkt im Moskauer Stadtzentrum, 2017/18, war ich erstaunt über die Vielfalt. Ich ging über die Twerskaja Straße, den Teatralnaja - , Manege-, den Roten Platz, passierte Bühnen mit Musik und Schauspiel und sah Straßenmusikanten, Handwerks- und Souvenirbuden. Akrobaten in mittelalterlichen Kostümen schwebten an Seilen durch die Luft. Ich hörte russische Volkslieder, burjatischen Rock und eine russische Brass Band. Der Weihnachtsmarkt im Zentrum von Moskau beginnt 2019 am 13. Dezember und endet am 12. Januar 2020. Warum dauert der Markt so lange? Am 6. Januar und 13. Januar gibt es zwei Feiertage. Es wird das russisch-orthodoxe Weihnachten und das neue Jahr nach dem alten, julianischen Kalender gefeiert.
3. November 2019
Berliner Nachtleben – Nachdenken über Hedonismus und Gemeinschaft
In Berlin-Friedrichshain ist Feiern angesagt. Die Mittelschicht konsumiert. Die Migranten räumen auf. Beobachtungen auf einer Durchreise von Ulrich Heyden. In Berlin-Friedrichshain lebt mein Freund Peter. Alle paar Jahre besuche ich ihn. Der Bezirk mit seinen in der Gründerzeit gebauten Bürger-Häusern ist sehr schön. Die Straßen sind nicht breit, aber die Bürgersteige. Auf denen wachsen große Bäume. Die Häuser haben gemauerte Balkons. Man findet Treppenhäuser aus Holz mit Messingbeschlägen und Türen im Original Art-déco-Stil.
18. August 2019
Moskau: Multi-Media-Schau für unangepasste Künstler der Sowjetunion
Dem russischen Film-Regisseur Andrej Tarkowski und zwölf "nichtkonformistischen" Malern der sowjetischen "Tauwetter"-Periode ist eine große Ausstellung in der Neuen Moskauer Tretjakow-Galerie gewidmet. Die Künstler, die wegen ihrer abstrakten Bilder in der Sowjetunion nur in Privatwohnungen ausstellen konnten, waren in den 1990er Jahren in Deutschland sehr angesagt, denn sie waren die Zeugen für die Unfreiheit in der Sowjetunion. Doch in Moskau will man die Künstler dieser Zeit nicht vergessen. Ende Juni eröffnete in der "Neuen Moskauer Tretjakow Galerie" eine große Ausstellung mit Werken bekannter sogenannter "nicht-konformer" Maler aus den 1960er und 1970er Jahren, die nur in Privatwohnungen ausstellen konnten.
14. May 2019
Tragischer Tod eines Epoche-prägenden russischen Journalisten
Der russische Fernseh- und Radiojournalist Sergej Dorenko wagte viel Kritik an russischen Politikern und Zuständen, verkaufte sich aber nicht an die Putin-Gegner. Am 9. Mai 2019 starb der 59 Jahre alte Journalist nach einem Motorradunfall. Nach ersten Untersuchungen war die Aorta des Journalisten geplatzt, weshalb er die Kontrolle über das Motorrad verlor. Der Journalist starb im Krankenhaus. Hinweise auf einen politischen Hintergrund des Todes gibt es nicht. Die Ehefrau des Toten erklärte, dass bei ihrem Mann 2016 eine Aorta-Schwäche festgestellt wurde, die Ärzte aber nicht zu einer Operation geraten hätten.
13. April 2019
Von oben herab
Der Dokumentarfilm „Russland von oben“ verfehlt die Lebenswirklichkeit der Menschen im Land. Deutsche Drohnen über Russland — das klingt schlimmer als es ist. Denn es geht dabei nur um Filmaufnahmen für eine Arbeit des Regisseurs Freddie Röckenhaus. Dennoch ist das konsequent aus der Adlerperspektive gefilmte Werk problematisch. Denn es zeigt symbolisch, wie abgehoben das Russlandbild der Deutschen mittlerweile geworden ist. Es ist wahrscheinlicher in einem „Russlandfilm“ einen Sibirischen Tiger zu sehen als wirklich etwas über die Nöte und den Alltag der Menschen zu erfahren, die auf dem Boden der Tatsachen ihr Leben bewältigen müssen. Schade, denn es gibt wirklich sehenswerte Dokumentarfilme, die etwa den Russland-Ukraine-Konflikt beleuchten.
11. January 2019
Was lernen wir aus dem Fall Relotius?
Der Fall "Relotius" wirft viele grundsätzliche Fragen des Journalismus auf. Katharina Brovchenko von "Newsfront" interviewte mich zu dem Thema.
27. May 2018
Kulturschock: Eine Nacht mit deutschen Moskau-Touristen
Die russische Hauptstadt ist so modern geworden, dass manche Touristen sich darüber wundern werden.
27. March 2018
Meister der Emotionen: John Neumeier in Moskau
Auf der historischen Bühne des Bolschoi-Theaters in der russischen Hauptstadt wird in diesen Tagen die Premiere des Balletts "Anna Karenina" gezeigt - in einer Bearbeitung des Hamburger Choreographen John Neumeier.
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Im Brennpunkt
4. January 2026
Aktuell
Neuer Trend in Russland: Eine ganz persönliche Geschichte aus dem Hier und Jetzt auf der Bühne (Nachdenkseiten)
In diesem Jahr machen in Russland gleich zwei bekannte Schauspielerinnen ihr eigenes Leben zum Thema von Theaterstücken: die Ballerina Anastasija Vinokur [1] und die Schauspielerin Irina Gorbatschowa. Das ist für Russland neu. Mancher wird es nicht glauben, aber die russische Kultur ist offen für Experimente. Sie entwickelt sich weiter. Wenn Schauspielerinnen auf der Bühne über ihren ganz persönlichen Werdegang, über ihre Probleme und Ängste sprechen, könnte man denken, das interessiert die Zuschauer nicht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Irina Gorbatschowa zeigt ihr Stück „Warum ich?“ [2] nicht nur in Moskauer Theatern, sondern auch in der russischen Provinz. Von Ulrich Heyden.
7. November 2025
Aktuell
Ein ungewöhnlicher Theaterabend in Moskau: Eine russische Primaballerina erzählt ihre Lebensgeschichte (Globalbridge)
Die ehemalige Primaballerina des Bolschoi-Theaters, Anastasija Vinokur, hat etwas Erstaunliches zustande gebracht. Die 1985 in Moskau geborene Tänzerin präsentierte Ende Oktober im Moskauer Helikon-Theater das selbstproduzierte Schauspiel „Nit“ (Der Faden) (1). In dem Stück steht Vinokur meist allein auf der Bühne und erzählt über ihr Leben, von der Kindheit bis heute. Der Saal im Helikon-Theater war voll, der Applaus lang und herzlich. Selbstreflexionen bekannter Tänzer und Schauspielerinnen sind ein neuer Trend in Russland. Es gibt einen Bedarf an Orientierung in schwieriger Zeit. Schon im Frühjahr hatte auch die bekannte russische Schauspielerin Irina Gorbatschowa, geboren 1988 im Gebiet Donezk, das Stück „Warum ich?“ auf die Bühne gebracht. In dem Schauspiel erzählt Gorbatschowa ebenfalls über ihr Leben (2). Das kulturelle Leben in Russland entwickelt sich weiter. Der Krieg in der Ukraine tut dieser Entwicklung keinen Abbruch.
25. August 2013
Aktuell
Das russische Theater probt den Widerstand (der Freitag)
Moskau. Die Bühnen in der Hauptstadt waren immer konventionell. Aber nun greifen sie Themen der Protestbewegung auf. Und die Mittel- und Oberschicht klatscht Beifall
Video
31. August 2026
Aktuell
У нас брали кровь, не спрашивая
11 апреля 2025 года в Москве я взял интервью у женщин, которые в детстве были вывезены вермахтом и украинской вспомогательной полицией из Калужской области, к юго-западу от Москвы, в Прибалтику, где они содержались в концентрационных лагерях. Женщинам, которые в то время были еще детьми, там в принудительном порядке сдавали кровь для раненых немецких солдат #Вермахта.
31. August 2026
Aktuell
Reparationen, her damit! (Video-Gespräch)
In meiner neuen Gesprächsrunde mit dem ostdeutschen Filmregisseur Wilhelm Domke-Schulz geht es um den Besuch des CIA-Chefs, John Ratcliffe, in Moskau, den russischen Vorstoß auf Slawjansk, die Proteste Jugendlicher in der Westukraine gegen die Zwangsmobilisierung, die Anziehungskraft, welche die AfD auf Ostdeutsche ausübt und die Reparationen, die Westdeutschland 81 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch nicht an Russland gezahlt hat.
14. August 2026
Aktuell
1941, als die Deutschen kamen. Zeitzeugen erzählen
Ich habe im April 2025 in Moskau Frauen interviewt, die als Kinder aus dem Kaluga-Gebiet, südwestlich von Moskau, von der Wehrmacht und ukrainischen Hilfspolizisten ins Baltikum verschleppt wurden, wo sie in Konzentrationslager gefangen gehalten wurden. Dort wurde ihnen zwangsweise Blut für deutsche Soldaten abgezapft. In diesem Video berichtet die 86jährige Ewdakija Anikanowa, wie sie als Vierjährige das erste Mal für einen deutschen Soldaten Blut spendete. Anikanowa berichtet auch über ihr Dorf, Iwankowo, im Kaluga-Gebiet, dass von 1941 bis 1943 durch die deutsche Wehrmacht besetzt war. Nach russischen Angaben starben im Zweiten Weltkrieg 14 Millionen sowjetische Zivilisten.
Bücher
19. December 2023
Geschichte
"Mein Weg nach Russland. Erinnerungen eines Reporters" (2024)
Seit 30 Jahren lebt und arbeitet Ulrich Heyden in Russland, einem Land, das sein Vater als Wehrmachtsoffizier überfallen hat. Die gänzlich unterschiedliche Wahrnehmung Russlands, dargestellt in der Familiengeschichte des Autors, zieht sich als roter Faden durch das Buch. Dazu kommt die Frage, wie es passieren konnte, dass ein großer Teil der systemoppositionellen 68er sowie die ehemals pazifistische Partei „Die Grünen“ zu den stärksten Befürwortern eines Kriegsgangs gegen Russland wurden.
28. March 2022
Ukraine
"Der längste Krieg in Europa seit 1945" (2022)
Dieses Buch entstand nicht am Schreibtisch. Es ist das Buch eines Reporters, der in den Jahren 2014 bis 2022 als Korrespondent für deutschsprachige Medien im Kriegsgebiet Donbass unterwegs war. Wer verstehen will, wie der Krieg in der Ukraine began, kommt um das Buch "Der längste Krieg in Europa seit 1945. Augenzeugenberichte aus dem Donbass" nicht herum. Das Buch erschien im März 2022 bei tredition (Hamburg). Es ist das einzige deutschsprachige Buch eines Augenzeugen über die ersten acht Jahre Krieg im Donbass. "In den Interviews, die Heyden mit Bewohnern der beiden Volksrepubliken gemacht hat, wird vor allem eine Frage überdeutlich: Wieso weigern sich die demokratischen Staaten, den Mehrheitswillen der lokalen Bevölkerung zu akzeptieren? Wieso nehmen sie diesen Weg für eine friedliche Lösung nicht an?" (Katrin McClean, Schriftstellerin).
21. August 2020
Bücher
Wie Deutschland gespalten wurde. Die Politik der KPD 1945 bis 1951 (2020)
Bei den alljährlichen Feiern zur deutschen Einheit wird in den Hintergrund gedrängt, wie es eigentlich 1949 zur Gründung von zwei deutschen Staaten kam und welche Position die Kommunistische Partei Deutschlands zur Frage der deutschen Einheit vertrat. Kaum bekannt ist, dass die KPD, die 1947 in den Westzonen 320.000 Mitglieder hatte, eine der entschiedensten Kräfte war, die für die deutsche Einheit und gegen die Gründung eines "westdeutschen Separatstaates" eintrat. Mit ihren Aktivitäten auf den Gebieten Entnazifizierung, Kampf gegen den Hunger, Wiederaufbau und Sozialisierung der Schlüsselindustrien leistete die KPD einen wichtigen Beitrag für den Aufbau der Demokratie in Westdeutschland.
Foto
2. June 2026
Foto
Russische Kommunisten und ihre Gäste, 3. Antifaschistisches Forum
Russische Kommunisten und ihre Gäste. Wer mit wem gesprochen, wer neben wem gesessen und wer sich mit wem hat fotografieren lassen. Ein bisschen Material für den Tratsch. Bilder vom 3. Antifaschistischen Forum der KPRF im Moskauer Hotel Ritz Carlton, 24. Mai 2026.
28. September 2025
Foto
Foto-Reportage aus dem Gebiet Kursk
Hier meine Fotos von einer Reise durch das russische Grenzgebiet Kursk im Mai 2025. Schönes mischte sich mit Schrecklichem. Kursk ist eine weitgehend intakte, sehr gepflegte Stadt. Aber es gibt von Drohnen zerbombte Mehrfamilienhäuser. Berührend waren die Gespräche mit den Menschen, die durch Drohnen ausgebombt worden waren. Viele von Ihnen waren durch Glück mit dem Leben davongekommen. Raissa Klujewa, eine Rentnerin aus Kursk, erzählte, sie sei am 15. April 2025 von einer Drohne aus dem Schlaf gerissen worden. Sie habe sich noch ein Karton mit ihren Ausweisen schnappen können, um dann über eine Treppe, die mit Glasscherben übersät war, in den Hof zu flüchten. "Der 15. April war für uns alle wie ein zweiter Geburtstag."
7. April 2025
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Die Gründung der Volksrepublik Donezk am 7. April 2014
Im Frühjahr 2014 besuchte ich Donezk. Ich wollte wissen, wie der Südosten der Ukraine auf den Staatsstreich in Kiew reagiert. Am 6. April besetzten Aktivisten der Autonomiebewegung Verwaltungsgebäude in Charkow, Lugansk und Donezk. Im März besuchte ich eine Straßenwache, welche an einer Fernstraße zwischen Lugansk und Donezk Ausschau nach anrückendem ukrainischen Militär und Rechtem Sektor. Auf einer Kundgebung in Donezk auf dem Lenin-Platz herrschte eine kämpferisch-fröhliche Stimmung. Einige hielten Transparente auf denen die Rückkehr von Präsident Janukowitsch gefordert wurde.