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Russland. Nichts und niemand ist vergessen. Der 9. Mai zur Erinnerung an den Sieg vor 75 Jahren bleibt der wichtigste Feiertag. „Am 9. Mai wachte ich morgens immer vom Duft der Beljaschi auf, der kleinen tatarischen Torten mit Fleischfüllung, die es an diesem Tage gab. Gebacken hat sie stets meine Großmutter, Maria Iwanowna“, erinnert sich Swetlana, eine 45 Jahre alte Juristin aus Moskau. Morgens gegen drei Uhr sei Maria aufgestanden, um den Teig mit Hefe anzurühren, das brauchte seine Zeit. „Wir wohnten damals zu fünft, meine Eltern, mein Bruder Sergej, ich und die Großmutter – sie war die wichtigste Erzählerin, wenn wir am 9. Mai zusammensaßen. Es wurde immer zu Hause gefeiert, man redete über den Alltag, sah sich die Siegesparade im Fernsehen an und erinnerte den Krieg. 
Am 16. Januar war ich in Donezk als "Weihnachtsmann" oder "Väterchen Frost", wie man in Russland sagt, an der Übergabe eines Neujahrsgeschenkes an das 14 Jahre alte Flüchtlingskind Denis Wedkal beteiligt. Die weißrussische Journalistin Ksenija Lebedeva spielte die Rolle des "Schneemädchens", dass nach der russischen Tradition "Väterchen Frost" bei der Übergabe von Neujahrsgeschenken unterstützt. Nach der Geschenkübergabe erzählten Denis und seine Mutter, Inna, wie und warum sie im November 2025 aus der umkämpften Stadt Pokrowsk (in Russland heißt die Stadt Krasnoarmejsk) flüchteten. Während unseres Gesprächs bei der Familie Wedkal erfuhren wir etwas über die ukrainische Polizei-Einheit "White Angels", die Kinder im Kriegsgebiet zwangsevakuiert. Die Idee, Denis zu beschenken, kam von Jekaterina Mesinowa, der Leiterin der russischen humanitären Organisation "Guter Engel". Danke an Oleg, einen Kameramann aus Weissrussland, der die Geschenkübergabe filmte.